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HeilpflanzenporträtSchwarzkümmel: Medizin-Tipp aus der Bibel (Teil 2)

Glasflasche mit Schwarzkümmelöl, Holzlöffel mit Schwarkümmelsamen
mescioglu/stock.adobe.com

Seit dem Altertum wird der Schwarzkümmel, auch Gold der Pharaonen genannt, als Heilmittel geschätzt.

von Julia Vlachojannis, Sigrun Chrubasik-Hausmann

In zusammenführenden Studien senkte Schwarzkümmel das Gewicht, den erhöhten Nüchtern-Blutzucker und das glykierte Hämoglobin (HbA1c) und erhöhte die Ansprechbarkeit auf Insulin. Die Blutfette und der Blutdruck nahmen ab. Jetzt müssen Studien mit einem beweisenden Studiendesign die Wirkgrößen bei Typ-2-Diabetes, Hyperlipidämie und Bluthochdruck bestätigen und prüfen, ob Zubereitungen aus Schwarzkümmel das kardiovaskuläre Risiko senken. Vielversprechend sind die Ergebnisse der Studien bei Patienten mit rheumatoider Arthritis, Hashimoto-Thyreoiditis und Vitiligo, die Wirksamkeit bei Autoimmunerkrankungen demonstrieren. Studien bei Patienten mit Asthma bronchiale, Heuschnupfen und atopischem Ekzem weisen auf eine antiasthmatische und antiallergische Wirkung des Schwarzkümmel-Wirkstoffs hin. Durch die antibakterielle Wirkung lassen sich Antibiotika einsparen. Die Studienlage bei Nierensteinen, Organerkrankungen und toxischer Organschädigung, Arthrose, Kindern mit epileptischen Anfällen, Dyspepsie, klimakterischen Beschwerden, rezidivierender Mastalgie und neurodegenerativen Erkrankungen ist unzureichend. Die Tagesdosis beträgt bis zu 3 g Samen oder Samenöl. Die Verträglichkeit ist gut. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind nicht ausreichend untersucht.

Inhalt

Klinische Studien

Dosierung

Unerwünschte Wirkungen

Interaktionen

Klinische Studien

Übergewicht

Aus 10 Studien errechnete sich nach täglicher Zufuhr von bis zu 2 g Samenpulver bzw. 5 ml Schwarzkümmel-Samenöl über bis zu 13 Wochen eine mittlere gewichtete Gewichtsabnahme von 1,8 kg. Der BMI nahm um 0,85 kg/m2 (11 Studien) ab. Der Taillenumfang blieb unverändert [17], [18].

Diabetes mellitus und Hyperlipidämie

Gemäß einem systematischen Review mit Metaanalyse aus 7 Studien nahmen unter der Zufuhr von Zubereitungen aus dem Schwarzkümmel der mittlere Nüchtern-Blutzucker um 18 mg / dl und das glykierte Hämoglobin (HbA1c) um etwa 1 % (absolut) ab. Das Gesamtcholesterin hatte um 23 mg / dl und das LDL-Cholesterin um 22 mg / dl abgenommen [6]. Unter der Einnahme von 2 g / d Samenpulver über ein Jahr nahmen auch die erhöhte Insulinresistenz und die Thiobarbitursäure-reaktiven Substanzen im Serum ab. Die Beta-Zellfunktion, die totale antioxidative Kapazität, die Superoxid-Dismutase und das Glutathion stiegen an und die Herzfunktion besserte sich, gemessen an echokardiographischen Parametern. Nach Einnahme von 1g Pulver pro Tag war die Wirkung auf den Stoffwechsel nicht nachweisbar. Durch die Erhöhung auf 3 g / d Pulver ließ sich die Wirkung nicht steigern. Eine frühere Metaanalyse errechnete eine Abnahme der gewichteten mittleren Differenz des Gesamtcholesterins um 16 mg / dl, des LDL-Cholesterins um 14 mg / dl und der Triglyzeride um 21 mg / dl [23]. Eine Studie über ein Jahr bestätigte die lipidsenkende Wirkung bei Typ-2-Diabetikern unter oraler Therapie mit Hypoglykämika. Darüber hinaus hatten im Vergleich zur Kontrollgruppe der Blutdruck und die Herzfrequenz abgenommen (Per- Protocol-Auswertung) (Literatur in [5]).

Bei Patienten mit diabetischer Nephropathie im Stadium 3 bzw. 4 kam es unter Zufuhr von 2,5 ml/d Schwarzkümmel-Öl zum Abfall von Blutzucker, Harnstoff, Kreatinin und Eiweißausscheidung im 24-Stunden-Urin sowie zu einem Anstieg der glomerulären Filtrationsrate und des Urinvolumens [2].

Bluthochdruck

Eine Metaanalyse mit 11 Studien (860 Personen mit normalem oder hohem Blutdruck) errechnete für den systolischen und den diastolischen Blutdruck je eine Differenz von 3 mmHg [24]. Doch konnte eine neuere Studie an älteren Patienten, deren Bluthochdruck über 4 Wochen mit einem Schwarzkümmel-Extrakt behandelt wurde, dies nicht bestätigen [22].

Autoimmunerkrankungen und Allergien

Rheumatoide Arthritis 

Drei Studien bei Patienten mit rheumatoider Arthritis weisen auf eine Abnahme des Disease Activity Scores (DAS 28), des hochsensitiven C-reaktiven Proteins und der Anzahl geschwollener Gelenke unter Einnahme von 1 g / d Schwarzkümmel-Öl [10], [14]. Dies ging mit einer Besserung der Morgensteifigkeit und der Responsekriterien ACR20 (um 43 %) bzw. EULAR (um 30 %) einher [8]. Die zusätzliche Gabe von Schwarzkümmel-Öl zur Therapie mit DMARDs (disease modifying antirheumatic drugs; in [8] wurden Methotrexat, Hydroxychlorochin, Folsäure und Diclofenac als Basistherapie verabreicht) erscheint deshalb sinnvoll. Zum rheumatischen Formenkreis zählt auch der M. Behçet: 1 g / d Schwarzkümmel-Öl beeinflusste in einer randomisierten Doppelblindstudie über 12 Monate weder die krankheitsspezifische Aktivität noch den entzündlichen Aktivitäts-Index bei Behçet-Patienten [13]. Doch sollte das in einer Dosis-Findungsstudie überprüft werden.

Hashimoto-Thyroiditis 

Bei Patienten, die über 8 Wochen randomisiert mit 2 g Schwarzkümmel-Samenpulver pro Tag oder Placebo behandelt wurden, hatten Gewicht, BMI und erhöhte Serum-Antikörperkonzentrationen für Thyreotropin (TSH) und Thyreoperoxidase (TPO) in der Verum-Gruppe ab- bzw. die Trijodthyronin-Konzentrationen zugenommen [7]. Dies lässt auf einen der Hypothyreose gegensteuernden Effekt schließen.

Vitiligo 

Bei Patienten, deren Läsionen über 6 Monate zweimal täglich lokal mit Schwarzkümmel-Öl behandelt wurden, kam es ab dem 3. Monat der Behandlung zu einer signifikanten Abnahme der Vitiligo-Läsionen (die Kontrollgruppe hatte topisch Fisch-Öl erhalten) [9].

Colitis ulcerosa 

Keine Wirksamkeit fand sich in einer offenen kontrollierten Studie an 46 Patienten mit geringer bis mäßiger Colitis ulcerosa, die über 6 Wochen 2 g / d Schwarzkümmel-Pulver erhalten hatten oder Placebo. Die Gesamt-Scores des „Simple Clinical Colitis Activity Index Questionnaire“ und des „Inflammatory Bowel Disease Questionnaire-9“ unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen. Doch sollte das Ergebnis mit anderen Zubereitungen aus dem Schwarzkümmel (Öl, Extrakte) überprüft werden [19].

Allergische Erkrankungen 

In zwei placebokontrollierten und zwei offenen Studien mit insgesamt 152 Patienten besserten sich die Symptome atopischer Erkrankungen (allergische Rhinitis bzw. Asthma sowie atopisches Ekzem) unter der Einnahme von bis zu 4 g Schwarzkümmel-Öl pro Tag über bis zu 8 Wochen. Die IgE-Konzentrationen im Serum nahmen ab (Literatur in [5]).

Asthma bronchiale 

Vier Studien an Patienten mit z. T. allergischem Asthma, die bis zu 3 Monate bis 2 g / d Schwarzkümmel-Öl mit und ohne antiasthmatischer Inhalationstherapie erhalten hatten, weisen auf eine Abnahme der Asthma-Anfälle und eine Besserung des forcierten Ausatemvolumens in einer Sekunde. Die IgE-Werte blieben hier unbeeinflusst. Doch war die Wirkung des Schwarzkümmel-Wirkstoffs der von systemischem Theophyllin oder topischem Salbutamol unterlegen. Unter Einnahme eines wässrigen Schwarzkümmel-Extrakts benötigten die Patienten weniger antiasthmatische Medikation (Literatur in [5]).

Rhinitis 

In je einer Studie besserten Schwarzkümmel-Öl-Nasentropfen die Beschwerden bei Patienten mit allergischer Rhinitis und positivem Hauttest und bei geriatrischen Patienten mit Nasentrockenheit oder verstopfter Nase (z. B. durch Verkrustungen). Bei letzteren blieben der nasale Juckreiz, brennende Schmerzen und die mukoziliäre Clearance unbeeinflusst. In einer kontrollierten Studie mit immuntherapeutisch behandelten Patienten bei Hausstaub-Allergie und allergischer Rhinitis stieg die Anzahl der CD8-T-Lymphozyten unter der zusätzlichen Schwarzkümmel-Gabe mehr an als unter alleiniger Immuntherapie. Auch bei gesunden Probanden nahm die Funktion der polymorphen Neutrophilen im Blut unter der Schwarzkümmel-Einnahme zu (Literatur in [5]). Eine kürzlich veröffentlichte kontrollierte Studie weist ebenfalls auf eine Wirksamkeit von 1 g / d Schwarzkümmel-Samenöl via Nasenspray bei chronischer Rhinosinusitis hin [21].

Ekzeme 

Bei Patienten mit Handekzemen besserten sich in einer randomisierten Doppelblindstudie unter topischer Behandlung mit einer 2 %igen Schwarzkümmel-Ölzubereitung über 4 Wochen das Ekzem und die Lebensqualität ebenso gut wie unter einer lokalen Cortison-Applikation und schneller als unter der Behandlung mit einer pH-5-Lösung [27]. In Anbetracht der geringeren unerwünschten Wirkungen auf die Haut könnte sich die Zubereitung als alternative Option zur Cortisontherapie von Handekzemen eignen.

Infektionen

Bei 34 Diabetikern mit infizierten Wunden sprachen 8 der 19 multiresistenten Staphylococcus-aureus-Keime auf Schwarzkümmel-Öl an. Ikterische Neugeborene mit Hautpusteln durch Staphylococcus aureus oder S. epidermidis waren nach 3-tägiger Behandlung mit einer 33 %igen Schwarzkümmel-Ölzubereitung ebenso gebessert wie mit einer Antibiotikalösung. In Anbetracht der zunehmenden Resistenzentwicklung gegen Antibiotika sollte die Option mit Schwarzkümmel-Produkten in Erwägung gezogen werden (Literatur und weitere Studien bei bakteriellen, viralen und parasitären Infektionen in [5]).

Weitere mögliche Indikationen

Nierensteine 

Zubereitungen aus Schwarzkümmel könnten sich aufgrund ihrer diuretischen, spasmolytischen und antioxidativen Wirkung sowie hemmenden Wirkung auf die Kristallbildung aus Salzen und Mineralien im Urin zur Vorbeugung von Nierensteinen eignen [20].

Organerkrankungen oder Organschäden 

Die Wirksamkeit basiert auf der antioxidativen Wirkung. Nach einer Pilotstudie bei nicht-alkoholbedingter Fettlebererkrankung [12] bestätigte kürzlich eine randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudie die Abnahme der Lebersteatose und die Besserung der erhöhten spezifischen Blutparameter nach Gabe von täglich 2,5 g Öl über 3 Monate [15]. Durch tägliche Gabe von 80 mg Schwarzkümmel-Öl pro kg KG bei Kindern nach der wöchentlichen Methotrexat-Injektion war die leberschädigende Wirkung des Zytostatikums geringer als unter Placebogabe. Obwohl die Überlebenszeit bei den Kindern in der Verum-Gruppe nicht verlängert wurde, wiesen die Knochenmarkspunktate auf längere Remissionszeiten und eine Abnahme der akuten Schübe hin [11]. Bei Kriegsopfern mit Lungenschädigung durch chemische Kampfstoffe besserte die Behandlung mit einem wässrigen Schwarzkümmel-Extrakt in einer randomisierten Doppelblindstudie über 2 Monate die Atembeschwerden und die Obstruktion. Die Patienten benötigten weniger Beta-Sympathomimetika und Cortison als die Placebogruppe [4].

Arthrose 

Schwarzkümmel-Samenpulver, das über 24 Stunden in Essig eingeweicht, getrocknet und dann pulverisiert wurde, eignete sich nicht zur Behandlung der Arthrose. Ob Einreibungen mit Schwarzkümmel-Öl alle 8 Stunden Kniearthrose-Beschwerden bessern, muss überprüft werden (Literatur in [5]).

Therapieresistente Krampfanfälle in der Pädiatrie 

Während Schwarzkümmel-Öl keine Wirkung besaß, senkten in doppelblinden Cross-over-Studien die Leitsubstanz Thymochinon (1 mg pro KG) und ein wässriger Schwarzkümmel-Extrakt bei Kindern die Häufigkeit und die Schwere epileptischer Krampfanfälle (Literatur in [5]).

Funktionelle Dyspepsie 

Bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie gemäß ROM-III-Kriterien besserte in einer randomisierten Doppelblindstudie die tägliche Zufuhr von 5 ml Schwarzkümmel-Honig typische Beschwerden [16].

Frauenleiden 

In einer offenen Studie bei Frauen im Präklimakterium und einer randomisierten Doppelblindstudie bei Frauen mit rezidivierender Mastalgie besserten sich die Beschwerden durch Zubereitungen aus dem Schwarzkümmel (Literatur in [5]).

Alzheimer-Demenz, Morbus Parkinson 

Experimentelle Untersuchungen weisen darauf hin, dass der Schwarzkümmel-Wirkstoff auch bei neurodegenerativen Erkrankungen eine Therapieoption sein könnte (s. Teil 1 [26]).

Dosierung

Aus den klinischen Studien ergibt sich eine Tagesdosis von bis zu 3 Gramm Schwarzkümmel-Samen oder -Samenöl. Dosis-Findungsstudien sollten für alle Indikationen die exakte Dosierung für das Samenpulver bzw. -öl ermitteln und auch für Extrakte (Auszugsmittel Wasser, Ethanol, Methanol).

Unerwünschte Wirkungen

In den Studien wurde nur gelegentlich über Juckreiz, Übelkeit oder abdominelle Beschwerden berichtet. In einer Studie kam es zu einem geringen Abfall des Blutzuckers, der nicht zum Therapieabbruch führte. Selten ist das Auftreten allergischer Hautreaktionen bis hin zu toxischen Hautnekrosen. Bei lokaler Anwendung kann eine Kontaktallergie auftreten. Trotz der bekannten nieren- und neuroprotektiven Wirkung des Schwarzkümmels liegen folgende Kasuistiken vor:

  • Bei einer Diabetikerin trat nach Einnahme von 2–2,5 g Schwarzkümmel pro Tag zusätzlich zu ihrer Medikation ein akutes Nierenversagen auf [3].

  • Bei einer Patientin im Koma fanden sich im MRI Veränderungen der grauen Substanz, die auf die Einnahme eines Schwarzkümmel-Präparats zurückgeführt wurden [25].

Eine zentrale Wirkung mit Beeinflussung der Reaktionszeit ist nach Einnahme von 500 mg Schwarzkümmel-Öl nicht zu erwarten. Dies geht aus einer placebokontrollierten Studie an 160 Medizinstudenten hervor, bei der psychomotorische Messparameter vor der Einnahme bis 3 Stunden nach der Einnahme von Schwarzkümmel-Öl, Knoblauch und Q10 dokumentiert wurden (Literatur in [5]).

Interaktionen

Der Schwarzkümmel-Wirkstoff hemmte in einer humanpharmakologischen Untersuchung die Aktivitäten der Cytochrom-Untereinheiten CYP2D6 und CYP3A4 [1]. Experimentell sind Interaktionen mit Glibenclamid, Tolbutamid, Theophyllin, Sildenafil und Ciclosporin beschrieben. Doch können In-vitro-Ergebnisse und Ergebnisse aus Tierversuchen (Literatur in [5]) nicht unkritisch auf den Menschen übertragen werden. Topisch zusammen mit anderen Wirkstoffen verabreicht, wirkte Schwarzkümmel-Samenöl als Drug-Enhancer, d. h. es erhöhte die Penetration anderer Wirkstoffe durch die Haut wie Phenole und Capsaicin (Literatur in [5]). Um einen sicheren Einsatz von Zubereitungen aus dem Schwarzkümmel zu gewährleisten, sollten humanpharmakologische Studien mögliche Interaktionen mit Medikamenten prüfen.

Interessenkonflikt

SC-H hat von der Fa. Alpinamed (Schweiz) Honorare für Beratung zu Schwarzkümmel und für Vorträge erhalten.

Die Literaturliste finden Sie hier.

Prof. Dr. med. Sigrun Chrubasik-Hausmann
Fachärztin für Allgemeinmedizin mit den Zusatzbezeichnungen „Ärztliches Qualitätsmanagement“ und „Spezielle Schmerz-Therapie“

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