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HerzkrankheitenHerzbericht: Sterbefälle wegen Herzkrankheiten leicht rückläufig

Schwebendes Herz zwischen den Händen einer Ärztin.
Alexander Raths/stock.adobe.com

In Deutschland starben im Jahr 2020 insgesamt 121.462 Menschen infolge einer koronaren Herzerkrankung.

Nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland sind Durchblutungsstörungen durch Herzkranzgefäßverengungen, die sogenannte Koronare Herzkrankheit (KHK). Wie der aktuelle Deutsche Herzbericht 2021 zeigt, starben im Jahr 2020 insgesamt 121.462 Menschen an den Folgen der KHK, darunter 44.529 am akuten Herzinfarkt. Auch verursacht die KHK die höchste Zahl an Krankenhausaufnahmen innerhalb eines Jahres bei 564.059 vollstationären Fällen (2020) und sie ist die Hauptursache für Herzschwäche (Herzinsuffizienz), an der 34.855 Menschen im Jahr 2020 starben.

Koronare Herzkrankheit: Sterbefälle sind gesunken

Nach den Zahlen des neuen Herzberichts konnten im Zeitraum 2018 bis 2020 die Sterbefälle durch KHK um 6,0 % von 140,3 auf 131,9 Verstorbene pro 100.000 Einwohner (EW) und bei Herzschwäche um 11,8 % von 41,2 auf 36,3 Verstorbene pro 100.000 EW gesenkt werden. „Für diese positive Entwicklung dürften insbesondere Faktoren wie eine verbesserte Prävention, Diagnostik und Therapie ursächlich sein, im Fall der Herzschwäche etwa lebensverlängernde Effekte von Medikamenten und Schrittmacher-Therapien, worauf auch die Entwicklung der Sterblichkeitsrate der Vorjahre hindeutet“, so Voigtländer.

„Allerdings könnte die Covid-19-Pandemie 2020 als neu hinzugekommene Todesursache auch beeinflusst haben, dass andere Sterblichkeitsursachen seltener angegeben wurden.“ Am deutlichsten zeigte sich die Senkung der Mortalität von 2018 zu 2020 bei den Herzrhythmusstörungen, die um 14 % von 32,7 auf 28,1 Verstorbene pro 100.000 EW gesunken ist (Sterbefälle durch Herzrhythmusstörungen insgesamt in 2020: 27.369).

Begleiterkrankungen muss mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden 

Die positive Entwicklung darf jedoch nicht den Blick dafür verstellen, dass die KHK/akuter Herzinfarkt und Herzschwäche immer noch die häufigsten Todesursachen und maßgeblich für den Plötzlichen Herztod verantwortlich sind, wie Voigtländer, Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien-Krankenhauses in Frankfurt, betont. Hinzu kommt, dass beide Herzkrankheiten in aller Regel mit Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Adipositas oder auch Vorhofflimmern einhergehen, was der aktuelle Herzbericht anhand von Zahlen aus der kardiologischen und hausärztlichen Versorgung dokumentiert.

 „Eine hohe Last an Begleiterkrankungen stellen wir besonders bei der Herzschwäche fest, die sich auch als Endstadium oder Syndrom anderer Herz-Kreislauf-Krankheiten bezeichnen lässt; am häufigsten sind insbesondere hoher Blutdruck, Nierenschwäche, Diabetes und Übergewicht Nebenerkrankungen der Herzschwäche“, erklärt Voigtländer. Von „essenzieller Bedeutung für ein Eindämmen der Herzschwäche“ sei daher ein konsequenteres präventives und therapeutisches Vorgehen eben gegen diese Begleiterkrankungen, allen voran den hohen Blutdruck, der laut Herzbericht häufigsten Begleitdiagnose von Herzinsuffizienz (78,4 %) und von KHK (59,5 %).

Hoher Blutdruck ist wie Diabetes mit einem hohen Schadenspotenzial für Herz und Gefäße (Schlaganfall und Herzinfarkt) verbunden. In der therapeutischen Versorgung der Herzschwäche sehen die Autor*innen des Herzberichts Lücken beim Einhalten von Therapiezielen etwa bei der medikamentösen Herzinsuffizienz-Therapie mit RAAS-Hemmern. Wie enorm wichtig aber die konsequente Behandlung der Komorbiditäten durch Senkung des hohen Blutdrucks oder des erhöhten Blutzuckerspiegels (= Diabetes) ist, führte die Covid-19-Pandemie klar vor Augen, wie der Kardiologe und Intensivmediziner Voigtländer hervorhebt: „Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf haben allen voran Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Nierenversagen und Herzschwäche – dafür müssen wir auch mit Blick auf die Pandemielage im Herbst sensibilisieren.“

Rückgang von Klinikeinweisungen: Covid-19-Pandemie oder Unterdiagnostik?

Nahezu alle Herzkrankheiten weisen in den Krankenhausaufnahmen (vollstationäre Hospitalisationsrate) im Jahr 2020 eine deutliche Abnahme gegenüber dem Jahr 2018 auf.

Bei der KHK sank die Zahl der Krankenhausaufnahmen um 11,4 %, bei Herzklappenkrankheiten um 5,5 %, bei Herzrhythmusstörungen um 9,9 %, bei Herzschwäche um 9,3 % und bei den angeborenen Fehlbildungen um 4,0 %.

Patient*innen hätten besonders während der Pandemiewellen aus Sorge vor einer SARS-CoV-2-Infektion Kliniken gemieden. Gleichzeitig mussten Kliniken ihre Aufnahmen zeitweise auf Notfälle beschränken, um Kapazitäten für Intensivpatienten freizuhalten.

Im Pandemiejahr 2020 wurden auch sogenannte „elektive“, d. h. aufschiebbare operative Eingriffe, weniger häufig durchgeführt:

  • Am deutlichsten war das von 2018 zu 2020 der Fall bei chirurgischen Eingriffen wie der Bypassoperation (-27,2 %) und dem isolierten Aortenklappenersatz (-27 %) der Fall.
  • Zu deutlich weniger Eingriffen gegenüber 2018 kam es auch bei katheterbasierten (interventionellen) Eingriffen wie der Koronarangiographie (-6,0 %), bei Kathetereingriffen wie PCI (= Herzgefäßaufdehnung durch Stent/Ballon) (-5 %) oder Schrittmacher-/ICD-Implantationen (-3,5 %/-8,1 %).

(Daten des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen)

Herzkrankheiten im Ländervergleich: Gefälle in der kardiologischen Versorgung

Regionale Unterschiede in der Sterblichkeit und den Krankenhausaufnahmen wegen Herzkrankheiten bestehen fort, wie der Deutsche Herzbericht 2021 dokumentiert. Ein Blick auf die Todesrate der KHK und des Herzinfarkts zeigt, dass östliche Bundesländer weiterhin die höchste Sterblichkeit verzeichnen (alters- und geschlechtsstandardisiert):

  • Sachsen-Anhalt hat wie im Vorjahr auch 2020 die höchste Sterbeziffer mit 182 KHK- und 66 Herzinfarkt-Sterbefällen pro 100.000 EW,
  • gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 172 KHK- und 63 Herzinfarkt-Verstorbenen und
  • Sachsen mit 169 KHK- und 61 Herzinfarkt-Verstorbenen pro 100.000 EW.

Anders hingegen gelagert ist das Gefälle bei der Hospitalisationsrate (alters- und geschlechtsstandardisiert):

  • Sachsen weist hier die niedrigsten Hospitalisationsraten bei KHK mit 440 und Herzinfarkt mit 177 vollstationären Aufnahmen pro 100.000 EW auf,
  • während die höchste Rate für KHK in Berlin mit 784 und
  • für Herzinfarkt im Saarland mit 272 vollstationären Aufnahmen pro 100.00 EW festzustellen ist.

„Den genauen Ursachen für diese teils ausgeprägten regionalen Gefälle muss genauer auf den Grund gegangen werden“, so Voigtländer.

Auffällig ist, dass auch die geringste Versorgungsdichte mit zugelassenen Kardiologen in den östlichen Bundesländern Thüringen mit 36.556, in Mecklenburg-Vorpommern mit 30.392, in Sachsen-Anhalt mit 26.922 und in Brandenburg mit 26.643 EW pro Kardiologe liegt. „Inwiefern dieses Versorgungsgefälle ein Indikator für Lücken in der ambulanten kardiologischen Versorgung ist und dies Ursache für eine höhere Morbidität und Sterblichkeit sein könnte, ist spekulativ und bedarf fundierter Analysen“, erklärt Voigtländer. So müssten Analysen zu regionalen Unterschieden auch Einflussfaktoren wie Raucheranteil, Erwerbsstatus, Häufigkeit von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht berücksichtigen.

Quelle: Pressemitteilung/Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

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