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Akutes AtemnotsyndromResveratrol bei Lungenversagen vielversprechend

Der u.a. in Roten Trauben enthaltene Pflanzenstoff Resveratrol könnte ein Kandidat bei der Prävention und Therapie des Lungenversagens sein, fanden Forscher*innen in einer experimentellen Studie heraus.  

rote Weintrauben am Weinstock
K. Oborny/Thieme

Die entzündungshemmende, kardioprotektive und antioxidative Wirkung von Resveratrol, das u.a. in Weintrauben enthalten ist, wurde bereits vielfach belegt.

Das u.a. in Roten Trauben enthaltene Resveratrol könnte ein Kandidat bei der Prävention und Therapie des Lungenversagens sein, fanden Forscher*innen in einer experimentellen Studie heraus.

Ein Forschungsteam der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Mainz um Dr. René Rissel untersuchte in einem Experiment mit Hausschweinen die Wirkung des Pflanzenstoffs Resveratrol beim akutem Atemnotsyndrom (ARDS). Das Syndrom geht mit systemischen Entzündungen und Sauerstoffmangel einher, viele Patient*innen in der Intensivmedizin sterben daran. Bisher gibt es keine ursächliche Therapie, die bei der Entzündungsreaktion ansetzt.

Das Team hat untersucht, wie sich die intravenöse Gabe von Resveratrol auf die Herz- und Lungenfunktion auswirkt. Sie initiierten eine Studie mit 20 Hausschweinen. „Die Organstruktur von Hausschweinen ist denen von Menschen sehr ähnlich. Schweine lassen sich außerdem gut mit denselben Messparametern, wie Blutdruck, Herz-Zeit-Volumen oder Lungenfunktion, untersuchen und monitoren“, erklärt der Studienleiter.

In dem 8-stündigen Experiment wurden die Tiere unter Narkose durch Zugabe bestimmter Stoffe in einen Zustand versetzt, der dem akuten Atemnotsyndrom sehr nahekommt. Anschließend erhielten 8 Schweine eine niedrige Dosis Resveratrol intravenös mit einer Trägerlösung verabreicht, 8 Schweine eine hohe Dosis Resveratrol und vier Schweine zur Kontrolle lediglich die Trägerlösung.

Ergebnisse

Die Gruppe der 8 Schweine, die eine hohe Dosis Resveratrol verabreicht bekam, wies im Vergleich mit den anderen beiden Gruppen Besonderheiten auf:

  • Ihre Lungenfläche, die funktionelle Residualkapazität, vergrößerte sich wieder. Dies sei ein Indiz dafür, dass die Lunge besser arbeiten und Gas austauschen kann.
  • Der extravaskuläre Lungenwasserindex stabilisierte sich. Die Forscher*innen werten das als Anzeichen dafür, dass kein Lungengewebe mit umliegenden Gefäßen zerstört wurde.
  • Zudem reduzierte Resveratrol signifikant die Konzentration des Entzündungsmarkers TNF-alpha.

Diese Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung. Geplant sind Folgestudien am Schwein, in denen untersucht wird, wie sich längere Versuchszeiten und höhere Dosen von Resveratrol auswirken. Mit Blick in die Zukunft sagt Rissel:

Mit Blick in die Zukunft sagt Rissel: „Wünschenswert wäre, wenn in einigen Jahren Resveratrol, ähnlich wie eine Beruhigungstablette, auch präventiv vor Operationen eingesetzt werden könnte, um Hochrisikopatient*innen besser zu schützen.“

Die entzündungshemmende, kardioprotektive und antioxidative Wirkung von Resveratrol, das u.a. in Weintrauben enthalten ist, wurde bereits in vielen medizinischen Fachbereichen erforscht – nicht aber in der Anästhesiologie.

Das Team um Dr. René Rissel erhielt für die Studie den mit 4000 Euro dotierten 1. Platz beim Forschungspreis „experimentelle Forschung“ der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). „Die Studienergebnisse des Preisträgers eröffnen nun neue vielversprechende Perspektiven zur Behandlung von ARDS, die es weiterzuverfolgen gilt“, sagte DIVI-Präsident Prof. Gernot Marx bei der Preisverleihung am 30. November 2022 beim Jahreskongress DIVI22 in Hamburg.

Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin