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WechseljahrePhytotherapie bei klimakterischen Beschwerden

Rotklee
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Rotklee wird sehr häufig bei Wechseljahresbeschwerden verwendet.

von Susan Zeun

Hitzewallungen, Gelenkschmerzen, Schlafstörungen: Klimakterische Symptome sind vielfältig und bedürfen in manchen, aber nicht allen Fällen einer Behandlung. Nicht jede Frau steht einer Hormonbehandlung aufgeschlossen gegenüber. Heilpflanzen können hier eine sinnvolle Option sein.

Inhalt

Klimakterium, Menopause oder Wechseljahre?

Weibliche Hormone bei klimakterischen Beschwerden

Phytoöstrogene und Phytogestagene

Phytotherapie bei häufigen Beschwerden

Vasomotorische Symptome

Schlafstörungen

Vaginale Dystrophie

Erschöpfung und depressive Verstimmungen

Virilisierung

Arthralgien

Klimakterium, Menopause oder Wechseljahre?

Der Begriff Klimakterium leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet „stufenweise“. Die Wechseljahre wurden früher auch als Stufen- oder Treppenjahre bezeichnet. Der Begriff der Menopause wiederum ist aus dem Altgriechischen entlehnt: men für Monat und pausis für Ende – also das Ende der Menstruation.

Der Begriff Treppenjahre (Klimakterium) ist treffend: Eine Treppe führt in beide Richtungen – was einen „Abstieg“ der Fertilität bedeutet, kann einen „Aufstieg“ bei anderen Facetten des Lebens bedeuten. Auch der Begriff Wechseljahre betont die Veränderung und nicht den Verlust. Ein Wechsel ist nicht nur im Bankwesen ein Austausch gegen etwas Gleichwertiges.

Während „Klimakterium“ die Gesamtheit von Umstellungsprozessen bezeichnet, bezieht sich „Menopause“ also nur auf die Blutung. Davon abgeleitet kann es zu sehr unsinnigen Wortschöpfungen kommen, wenn diese aus dem Kontext gerissen werden: Ist es für eine klinische Studie notwendig eine Studienpopulation zu definieren, die regelmäßige Menstruationen hat, wird diese Population als prämenopausal bezeichnet. Außerhalb des Kontexts einer klinischen Studie meint prämenopausal allerdings alle weiblichen Personen, die die Wechseljahre noch nicht durchlaufen haben – selbst Mädchen vor der Pubertät.

Leider setzt sich im Sprachgebrauch der Begriff Menopause mehr und mehr durch, obwohl das Klimakterium gemeint ist. Frauen werden so auf ihre monatlichen Blutungen und ihre Fertilität reduziert.

Sofern das Klimakterium nicht mehr nur auf die Menopause und einen Verlust (von Fertilität, Jugendlichkeit) reduziert wird, sondern im Wortsinn einen Wechsel ankündigt, könnte diese Lebensphase eine wesentlich neutralere Bedeutung bekommen. Eventuell würde sich dann auch die Häufigkeit von psychosomatischen Befindlichkeitsstörungen reduzieren. „Fliegende Hitze“ tritt auch in der Pubertät auf, ebenso können diese Sensationen jede Menstruation begleiten – sie sind also keine exklusive Besonderheit des Klimakteriums.

Weibliche Hormone bei klimakterischen Beschwerden

In den letzten Jahren ist eine Vielzahl an Begriffen um die weiblichen Hormone zur Therapie von klimakterischen Beschwerden entstanden: human-, natur-, bioidentische oder natürliche Hormone.

Die Begriffe synthetische und halbsynthetische Hormone beziehen sich nicht auf die Wirkung, sondern, wie der Name sagt, auf die Synthese (Herstellung) des Wirkstoffes. Wird ein Hormon, z.B. Progesteron (weibliches Gelbkörperhormon), komplett im Labor hergestellt, wird es als synthetisch bezeichnet. Für Progesteron ist die synthetische Herstellung jedoch nicht wirtschaftlich. Daher wird Progesteron mehrheitlich halbsynthetisch hergestellt. In vielen Pflanzen ist die Grundstruktur von Steroiden bereits vorgebildet. Um die Synthese von Progesteron zu vereinfachen, wird ein pflanzlicher Einzelstoff verwendet, der dem Hormon möglichst ähnlich ist.

Diosgenin ist eine Vorstufe des Progesterons und z.B. in der Yamswurzel vorhanden. Diosgenin wird chemisch im Labor zu Progesteron umgewandelt. Das entstandene Molekül kann human-naturidentisch oder bioidentisch genannt werden.

Für die Wirkung eines Steroidhormons (z.B. Progesteron) ist die Herkunft oder Synthese irrelevant, wenn die chemische Struktur gleich ist. Da es sich um hochwirksame Substanzen handelt, hat es sich in der Evolution als günstig erwiesen, wenn die hormonell aktiven Substanzen, da sie evtl. versehentlich oral aufgenommen werden können, intensiv metabolisiert werden, um eine Wirkung abzuschwächen. Alle Steroide unterliegen einem ausgeprägten First-Pass-Effekt in der Leber.

Hormonersatztherapie: WHI-Studie

Die Studie der Women’s Health Initiative (WHI) zu Wirkungen und Nebenwirkungen von hormonellen Behandlungen bei Wechseljahresbeschwerden und ihre Veröffentlichung stellte einen Paradigmenwechsel dar [1]. Untersucht wurden über 27.000 Frauen im Alter zwischen 50 und 79 Jahren mit einer durchschnittlichen Einnahmedauer von Östrogen oder Östrogen-Progesteron-Kombinationen über 5–7 Jahre bis zu 13 Jahre über die Einnahmedauer hinaus.

Ergebnisse der WHI-Studie

  • Herzerkrankungen: Die Einnahme von Östrogen und Progesteron erhöhte das Risiko koronarer Gefäßerkrankungen im ersten Jahr der Einnahme um 70 % und um 18 % über den gesamten Zeitraum. Eine Einnahme von Östrogen allein erhöhte das Risiko nicht.
  • Brustkrebs: Die Einnahme von Östrogen und Progesteron erhöhte das Risiko für Brustkrebs um ca. 24 % während der gesamten Einnahmedauer. Eine Einnahme von Östrogen allein erhöhte das Risiko nicht signifikant.
  • Schlaganfall und Thrombosen: Sowohl die Einnahme von Östrogen und Progesteron als auch die Einnahme von Östrogen allein erhöhten das Risiko für Schlaganfall und Thrombosen um ca. 30 % während der Einnahme. Nach Beendigung der Einnahme wurde kein weiteres erhöhtes Risiko beobachtet.
  • Hüftfraktur: Die Einnahme von Östrogen und Progesteron und die Einnahme von Östrogen allein reduzierten das Risiko für eine Hüftfraktur um ca. 30 % während der Einnahme.
  • Kolorektale Karzinome: Die Einnahme von Östrogen und Progesteron reduzierte das Risiko auf Karzinome, die erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wurden. Eine Einnahme von Östrogen allein hatte keinerlei Einfluss. Ein nachhaltiger Effekt nach Absetzen der Hormontherapie wurde nicht festgestellt.
  • Allgemeine Erkrankung und Todesrate: Für die Einnahme von Östrogen und Progesteron wurde eine Erhöhung des globalen Index um 12 % festgestellt. Eine Einnahme von Östrogen allein hatte keinen Einfluss auf den globalen Index: Eine Reduktion des Risikos wurde für Frauen in den 50ern und eine Erhöhung für Frauen in den 70ern gesehen. Nach Beendigung der Therapie wurde kein weiterer Einfluss gefunden.

Die Ergebnisse werden vielfältig diskutiert.

Hormontherapien haben weiter ihre Berechtigung bei der Behandlung von Beschwerden im Klimakterium – nach dem Grundsatz: So viel wie nötig, so kurz wie möglich.

Phytoöstrogene und Phytogestagene

Reines Östrogen und Progesteron kommen in Pflanzen nicht vor. Bei Phytoöstrogen und Phytogestagen handelt es sich um chemische Substanzen, die östrogen- oder gestagenähnliche Wirkungen an den entsprechenden Rezeptoren hervorrufen oder über die Hemmung des Abbaus endogener Hormone hormonelle Aktivität entfalten können.

Während pflanzliche Inhaltsstoffe mit agonistischer Wirkung am Östrogenrezeptor häufig vorkommen, sind gestagen wirksame agonistische Substanzen bisher nicht eindeutig identifiziert [2]. Eine milde gestagenerge Wirkung wird Diosgenin zugeschrieben. Der Mechanismus ist bisher jedoch nicht aufgeklärt [3].

Grundsätzlich sollte vor einer Therapie nach Alternativen zu hormonell aktiven Pflanzen, die bei bestimmten klimakterischen Beschwerden erfolgreich eingesetzt werden können, gesucht werden, so die Patientin Hormonen gegenüber ablehnend ist. Die Verschiebung von synthetisch-chemischen hormonell aktiven Substanzen zu phytopharmazeutischen Äquivalenten ist nur begrenzt sinnvoll: In entsprechender Dosierung sind ähnliche Nebenwirkungen zu erwarten und für Frauen mit östrogenabhängigen Tumoren ist die Anwendung kontraindiziert [4].

Phytotherapie bei häufigen Beschwerden

Vasomotorische Symptome

Vasomotorische Symptome (VMS), eine Störung der Thermoregulation, treten vermehrt ab einem Alter von 50 Jahren auf. Es wird davon ausgegangen, dass in der westlichen Welt ca. 75 % aller Frauen während der menopausalen Umstellung VMS haben. Nicht alle empfinden das als problematisch [5].

Die Pathophysiologie dieser Störung der Thermoregulation ist bisher noch nicht vollständig aufgeklärt. Direkte Wirkungen auf hypothalamischer Ebene durch Östrogene werden in der Literatur ebenso diskutiert wie Einflüsse von Neurotransmittern wie Serotonin und Norepinephrin [6].

Sind Hitzewallungen (Hot Flushes) auch kein Zeichen einer schweren Erkrankung, so ist die psychosoziale Belastung für manche Frauen sehr stark: Sie waren eine der häufigsten Indikationen, bei denen Hormonersatztherapien (HRT) eingesetzt wurden.

Zur phytotherapeutischen Behandlung von VMS werden in der S3-Leitlinie der deutschen, schweizerischen und österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe [1] 

  • Traubensilberkerzenwurzel (Cimicifuga racemosa), 
  • Rhapontikrhababer (Rheum rhaponticum),
  • Rotklee (Trifolii pratensis) und 
  • Johanniskraut (Hypericum perforatum) 

mit positiver Beeinflussung und hohem Evidenzgrad namentlich erwähnt.

Neben diesen Pflanzen finden in der europäischen Erfahrungsheilkunde viele Pflanzen Verwendung zur positiven Beeinflussung von VMS. Beispiele hierfür sind:

  • Mönchspfefferfrüchte (Agni casti fructus)
  • Salbeiblätter (Salviae folium)
  • Leinsamen (Linum usitatissimum semen)
  • Hopfenzapfen (Lupuli strobulus)
  • Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum folia et fructus)
  • Baldrianwurzel (Valerianae radix)
  • Bockshornkleesamen (Trigonella foenum graecum)

Da bisher der Mechanismus der Hitzewallungen nicht vollständig aufgeklärt ist, besteht kaum die Möglichkeit, diese Anwendungen aufgrund ihrer Inhaltsstoffe detailliert zu verifizieren. Außerdem gibt es nur wenige Studien, denn auch im Bereich der Phytotherapie wurde der Schwerpunkt auf Pflanzen mit hormonellen Wirkungen gelegt [7].

Die eventuelle Beeinflussung des GABA-ergen Systems (Neurotransmittersystem] und hierüber eine Reduktion der Frequenz und Schwere von Hitzewallungen konnte für Salbeiblätter (auch leichte östrogenartige Wirkungsweise) sowie Passionsblumenkraut [8] gezeigt werden. Fenchelfrüchte mit der Beeinflussung der 5α-Reduktase erzielten ebenso eine Verbesserung der Symptomatik von vaginaler Atrophie und Hitzewallungen [9] wie Johanniskraut, das wahrscheinlich die Benzodiazepinrezeptoren beeinflusst [10]. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine kleine Studie zur Baldrianwurzel, in der gezeigt werden konnte, dass sich die Stärke der Hitzewallungen reduzierte [11].

Die kleinen Fallzahlen sind nur Hinweise für eine Wirksamkeit, größere Studien fehlen. Die Ergebnisse werden aber auch durch jahrelange positive Anwendungsergebnisse gestützt [12].

Schlafstörungen

Als generelles Phänomen nimmt die Qualität des Schlafes mit dem Alter ab. Circa 50% aller Frauen geben in der Menopause Schlafprobleme mit häufigem Erwachen, Einschlafstörungen und/oder frühes Erwachen an [13]. Die Studie of Womens Health across Nations, kurz SWAN-Studie der Women’s-Health-Across-the-Nation-Vereinigung fand einen starken Anstieg in Korrelation zum Klimakterium [14].

Im Bereich der Phytopharmakologie gibt es sehr gut erforschte Pflanzen, die sedativ und schlafinduzierend wirken können. Unter spezieller Berücksichtigung der hormonellen Umstellungsprozesse sind folgende Pflanzen besonders geeignet:

  • Hopfenzapfen (Lupuli strobulus),
  • Passionsblumenkraut (Passiflorae herba),
  • Baldrianwurzel (Valerianae radix),
  • Lavendelblüten (Lavendulae flos),
  • Melissenblätter (Melissae folium).
Vaginale Dystrophie

Die vaginale Schleimhaut ist im Klimakterium großen Umstellungsprozessen unterworfen. Geringere Östrogenspiegel führen zu atrophischen Veränderungen der Schleimhaut. Dies kann zu einer erhöhten Vulnerabilität der Genitalschleimhaut führen und Infektionen begünstigen. In der Schulmedizin wird dies unter dem Begriff des urogenitalen Menopausensyndroms zusammengefasst.

Da der Rückgang des Östrogenspiegels ein physiologischer Vorgang ist, sollte nicht von Östrogenmangel gesprochen werden.

Scheidentrockenheit führt nicht nur zur vermehrten Anfälligkeit für Infektionen, sie ist auch kausal für Beschwerden verantwortlich wie:

  • Pruritus,
  • Dyspareunie,
  • Dysurie.

Die schulmedizinische Standardbehandlung besteht in niedrigdosierter östrogenhaltiger Creme [15]. Diese Therapie ist effektiv, allerdings gibt es Daten, die keinen Unterschied zwischen dieser hormonellen Gabe und beispielsweise hyaluronhaltigen Gelen aufweisen [16]. Da ein atrophischer Abbau der Vaginalschleimhaut erst im Senium erfolgt, die vaginale Dystrophie jedoch zunächst durch die mangelnde kolloidale Wasserbindungsfähigkeit gekennzeichnet ist, verwundern diese Ergebnisse keineswegs.

Pflanzen bei vaginaler Dystrophie:

  • Aloe vera,
  • ätherische Öle wie Rosenblütenöl.

Neben Aloe Vera, die im Vergleich zur Hyaluronsäure zusätzlich leicht antimikrobiologische Eigenschaften hat [17], kommen ätherische Öle zum Einsatz. Rosenblütenöl ist nicht nur aufgrund des positiven Geruchserlebnisses zu empfehlen, es wirkt antiinflammatorisch, fördert die Regeneration des Schleimhautepithels [18] und ist gegen Candida-Spezies wirksam [19].

Vorsicht

In Laienpublikationen wird gelegentlich die Selbstherstellung von vaginalen Zäpfchen propagiert. Dabei ist unbedingt auf genaue Dosierung der hochkonzentrierten Öle zu achten. Gerade das dystrophische Vaginalgewebe im Klimakterium neigt zu lokalen Reizungen.

Erschöpfung und depressive Verstimmungen

Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen und körperliche und geistige Erschöpfung sind keine exklusiven Symptome des Klimakteriums. Treten Depressionen in der Altersgruppe in Verbindung mit anderen (vasomotorischen) Symptomen auf, besteht die schulmedizinische Therapie zumeist in der Hormonersatztherapie und chemisch-synthetischen Antidepressiva. Für manifeste Depressionen mit dem Risiko der Suizidalität sind diese auch angemessen.

Jedoch macht dies nur einen kleineren Teil der Patientinnen aus: Zunächst sollte eine detaillierte Anamnese Aufschluss darüber geben, welche Symptome im Vordergrund stehen. Auch das Johanniskraut ist nicht frei von Nebenwirkungen, wird aber sehr häufig als Mittel der ersten Wahl gesehen.

Stehen die Verstimmungen mit gestörtem Nachtschlaf in Zusammenhang, so sollte zunächst versucht werden, mit den bereits angesprochenen Pflanzen eine Verbesserung zu erzielen, wobei Melissenblätter und Salbeiblätter als Zusätze in den Rezepturen sehr hilfreich sind, ebenso wie Passionsblumenkraut.

Ist die Symptomatik geprägt von starker familiärer und beruflicher Belastung, so stellt die Taigawurzel eine gute Alternative dar und kann gegebenenfalls mit der Rosenwurzwurzel ergänzt werden.

Virilisierung

Wurde bisher ein Rückgang der androgenergen Hormone mit dem Klimakterium postuliert, abgeleitet von der verminderten Produktion des Testosterons bei Männern, so konnte mit der SWAN-Studie ein Anstieg von DHEA nachgewiesen werden. DHEA ist adrenaler und nicht ovarieller Genese [20]. Über die komplexen Steroidsynthesewege kann es zu einer Erhöhung von androgenergen Steroidmetaboliten kommen und ursächlich für vermehrten Haarwuchs z.B. im Gesicht der Frauen sein. Sollte dies von den betroffenen Frauen als störend empfunden werden, kann ein Behandlungsversuch mit einem Hexan-Extrakt der Sägepalmenfrüchte oder Weißdorn, ebenfalls als Hexan-Extrakt, unternommen werden. Beide Pflanzen weisen einen hohen Gehalt an β-Sitosterol auf.

Die β-Rezeptoren hemmende Wirkung des Weißdorns hat nicht nur positive Effekte am Herzen, auch bei ängstlich agitierten und nervös bedingten Befindlichkeitsstörungen ist sie wegen ihres Wirkmechanismus positiv zu bewerten.

Arthralgien

Die Symptome von Arthralgien im Klimakterium werden häufig nicht im Zusammenhang mit der hormonellen Umstellung betrachtet, obwohl beispielsweise die Synovitis der Schulter eindeutig einen Anstieg in dieser Lebensphase verzeichnet [21]. Während in der westlichen Welt ca. 50% der Frauen über vasomotorische Symptome in den Wechseljahren klagen, sind nur etwa 10% der Asiatinnen aus China und Japan davon betroffen. Dort ist die steife Schulter eines der Kardinalsymptome für das Klimakterium und tritt bei etwa einem Viertel der Frauen auf [22], [23].

Die steife Schulter (Frozen Shoulder Syndrom) ist die Hitzewallung der Asiatinnen.

Die harpagosidhaltige Teufelskrallenwurzel in Verbindung mit Brennnesselwurzeln und Weidenrinde ist eine gute Kombination zur Behandlung von arthralgischen Beschwerden mit antiphlogistischer und analgetischer Komponente. Da die Brennnesselwurzeln einen höheren Gehalt an β-Sitosterol aufweisen, sollte diesen der Vorzug gegenüber den Blättern gegeben werden.

Zahlreiche Studien zum Formenkreis der rheumatoiden Arthritis belegen die Wirksamkeit von Hagebuttensamen [24], [25], [26]. Diese Wirkung wird im Zusammenhang mit der Hemmung inflammatorischer Prozesse gesehen, die auch die Ursache der Arthralgien im Klimakterium ist.

Prävention der Osteoporose

Die Prävention der Osteoporose beginnt mit dem Eintritt in das fertile Alter. Die frühe Einnahme niedrigdosierter oraler Kontrazeptiva wirkt sich negativ auf den sog. Peak Bone Mass (Zeitpunkt der höchsten Knochendichte in der 2. Lebensdekade) aus.

Generell sind beide Geschlechter von Osteoporose betroffen, jedoch stellt die Prävalenz von Hüft- und Wirbelkörperfrakturen nach wie vor ein höheres Risiko für postmenopausale Frauen dar [27].

In den letzten Jahren hat sich ein Paradigmenwechsel von hormonellen Gaben, einschließlich isoflavonhaltiger Pflanzen, hin zu einer Vitamin-D3-Prophylaxe vollzogen. Generell ist die Wirksamkeit von pflanzlichen Therapien zur Beeinflussung von osteoklastischer Aktivität zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend bewertbar. Einzelne Publikationen weisen auf eine Wirksamkeit von Angelika hin [28].

Grundsätzlich gilt jedoch, dass gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung einem prophylaktischen Einsatz von pflanzlichen Arzneimitteln der Vorzug gegeben werden sollte.

Dr. med. Susan Zeun ist Fachärztin für klinische Pharmakologie mit Spezialisierung auf Frauenheilkunde und Phytotherapie. Sie arbeitet seit über 20 Jahren in der Entwicklung für Arzneimitteltherapien für Frauen und ist in eigener Praxis in Berlin niedergelassen. 2021 ist ihr Buch Phytotherapie in der Frauenheilkunde im Thieme Verlag erschienen.

www.susanzeun.com

 

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[28] Guo RH et al. Inhibitory effects of Chondro T and its constituent herbs on RANKL-induced osteoclastogenesis. BMC Complement Altern Med 2019; 19: 319

 

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