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ImmunsystemPropolis: Abwehr aus dem Bienenstock

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Propolisteppich am Einflugloch: Das antimikrobielle Bienenkittharz schützt den Bienenstock vor Bakterien, Pilzen und Viren.

von Henrike März

Inhalt

Was ist Propolis?

Wie wird Propolis gewonnen?

Welche Wirkstoffe stecken in Propolis?

In welchen Bereichen wird Propolis eingesetzt?

Kontraindikationen: Vorsicht Allergie

Produktauswahl: am besten ökologisch und hochwertig

Steinzeitmenschen wussten bereits: Wer die Bienen achtet, wird reich beschenkt. So zeigt eine etwa 12000 Jahre alte Höhlenmalerei bei Valencia (Spanien) einen Menschen auf „Honigjagd“.

Aufgrund der therapeutisch wertvollen Erzeugnisse der fleißigen Insekten hat sich später das eigenständige Gebiet der Bienenheilkunde (Apitherapie) entwickelt. Nicht nur der süße Honig fällt in diesen Bereich, sondern auch Bienenwachs als schmerzlindernde Wärmeauflage oder Blütenpollen als nährstoffreiche Nahrungsergänzung. Die größte Wirkkraft schreibt man jedoch der harzartigen Propolis zu, die den Bienen als Baustoff und natürliches Antibiotikum dient.

Was ist Propolis?

Wörtlich übersetzt bedeutet die griechische Bezeichnung „Propolis“ „Vorstadt“. Denn die Bienen stellen aus dem Bienenkittharz unter anderem eine Art Teppich am Einflugloch zum Bienenstock her. Aufgrund der antimikrobiellen Eigenschaften dient dies dem Schutz vor Infektionen: Eingeschleppte Pilze, Bakterien und Viren würden in dem ca. 35°C warmen, feuchten und dicht besiedelten Bienenstock ideale Wachstumsbedingungen vorfinden und eine existenzielle Gefahr für den gesamten Bienenstaat darstellen. Deshalb überziehen die Bienen Ritzen und Spalten, auch das Innere der Brutwabenzellen und die Oberfläche von nicht entfernbaren Fremdkörpern mit einem dünnen Propolisfilm.

Wie wird Propolis gewonnen?

Imker gewinnen Propolis entweder durch Abkratzen oder Auflegen eines feinmaschigen Kunststoffgitters auf den oberen Brutraum. Nachdem die Bienen die störenden Zwischenräume verkittet haben, nimmt man das Gitter wieder ab und stellt es in die Kühlung. Dadurch wird die Propolis zu einer spröden, festen Masse, die leichter abgelöst und weiterverarbeitet werden kann. Wenn Verunreinigungen wie Bienenreste, Schädlinge, Holz- oder Metallteile entfernt sind, wird die Masse meist vorsichtig zermahlen und mit Ethanol extrahiert. Das Ergebnis ist eine Propolislösung mit diversen therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten.

Welche Wirkstoffe stecken in Propolis?

Bisher wurden über 180 verschiedene Verbindungen in Propolis nachgewiesen. Den Grundstoff bilden harzige Substanzen (ca. 50 %), die an Knospen oder Wunden von Bäumen gesammelt werden. Weitere Bestandteile sind Wachse (ca. 30 %), ätherische Öle (ca. 10 %) und Pollenanteile (ca. 5 %). Hinzu kommen etwa 5 % Mineralstoffe, Vitamine und Flavonoide, wobei die biologische Aktivität hauptsächlich auf die Flavonoide zurückgeht.

Entsprechend der Vegetation am Sammelort variiert das Wirkstoffspektrum. So finden sich in brasilianischer Propolis andere Flavonoide als in einheimischen Erzeugnissen und im Frühjahr andere Wirkstoffgehalte als im Herbst. Als reines Naturprodukt lässt sich Propolis nicht künstlich herstellen und nur schwer standardisieren. Um einen gewissen Wirkstoffgehalt zu sichern, greifen sich manche Hersteller eine Substanz wie das Flavonoid Galangin heraus und garantieren dafür einen bestimmten Gehalt.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien beschäftigten sich mit den Wirkmechanismen von Propolis und konnten eine antimikrobielle Wirkung nachweisen. Beispielsweise kam es bei dem Bakterium Streptococcus agalactiae unter Kontakt mit Propolis zu Zellveränderungen: Zellstrukturen lösten sich teilweise auf und die Eiweißsynthese wurde gehemmt. Dies störte letztendlich die Membranfunktion und den Energiestoffwechsel des Bakteriums. Zudem geht man davon aus, dass Viren, Bakterien und Pilze keine Resistenzen gegen Propolis entwickeln, weil sich das Bienenprodukt auf natürliche Weise mit den Mikroorganismen weiterentwickelt.

In welchen Bereichen wird Propolis eingesetzt?

Der Einsatz bietet sich überall dort an, wo pathogene Mikroorganismen bekämpft werden müssen, wie etwa bei der Mundhygiene, der Behandlung infektiöser Hauterkrankungen oder bei Herpes- und Atemwegsinfektionen. Durch seine entzündungshemmenden und immunstimulierenden Eigenschaften fördert Propolis auch die Wundheilung und körpereigene Erregerabwehr.

Antioxidative, tumorhemmende und leberschützende Effekte konnten ebenfalls nachgewiesen werden.

Mundpflege

Die komplementäre Zahnheilkunde nutzt Propolis in Form von Lutschtabletten, Mundspüllösungen, Zahnpasta und lokal applizierten Gelen oder Cremes, insbesondere zur:

  • Unterstützung der Wundheilung nach operativen Eingriffen
  • Karies- und Parodontitisprophylaxe
  • Wurzelkanalbehandlung (als Spüllösung)
  • Behandlung von Aphthen und Ulzera

Patienten berichteten, dass durch die Anwendung von Propolis-Mundwasser Zahnfleischentzündungen abheilten. In einer klinischen Studie stellte sich durch das tägliche Betupfen von oralen Candida-albicans-Läsionen mit Propolislösung innerhalb von 3 Wochen eine Besserung ein. Dabei war die Wirkung mit dem Antimykotikum Nystatin vergleichbar.

Propolisgel kann zur Behandlung von Aphthen und für eine kräftigende Massage des Zahnfleischs eingesetzt werden. Für das tägliche Zähneputzen finden Zahncremes mit Propolisextrakt Anwendung.

Schleimlöser bei Husten und Schnupfen

Bei Schnupfen, Husten oder Heiserkeit kann Propolis insbesondere in Form von Lutschpastillen und Rachensprays zur Befeuchtung der Schleimhäute, zur Linderung von Entzündungen und zur Abwehr von Bakterien und Viren beitragen. Gereizte und trockene Nasenschleimhäute können mit einem propolishaltigen Nasenbalsam gepflegt werden. Zeigen sich erste Anzeichen einer Erkältung, kann die innerliche Anwendung das Immunsystem unterstützen.

Die Dosierung richtet sich nach dem jeweiligen Produkt. So gibt es Propolis in Pulverform, Kapseln und Tropfen. Gleichsam können weitere Heilpflanzen wie Echinacea, Thymian oder Salbei mitverarbeitet sein. Bei hartnäckigem Bronchialkatarrh bietet sich ein warmer Bienenwachsbrustwickel als einfach zu handhabendes Hausmittel an: Bienenwachs enthält einen natürlichen Propolisanteil.

Verspannungen und Schmerzen

Auch Gelenkschmerzen und Muskelverspannungen können mit Bienenwachsauflagen gelindert werden. Im Handel gibt es dünne Bienenwachsfolien, die erwärmt aufgelegt und mit einem Schafwollvlies abgedeckt werden können.

Regeneration der Haut bei Ekzemen, Lippenherpes und Akne

Propolis findet sich häufig in Hautpflegeprodukten wie Wundsalben, Lippenbalsam und Hautcremes. Experimentelle Studien haben gezeigt, dass es die Kollagenbildung fördert, die Aktivität von freien Radikalen hemmt und Infektionen entgegenwirkt. Das unterstützt die Regeneration der Haut unter anderem bei Ekzemen.

Positive Effekte konnten auch für die Behandlung der Akne vulgaris nachgewiesen werden. In einer klinischen Studie wurden die betroffenen Hautstellen mit einer Creme behandelt, die 20 % Propolis, 10 % Aloe Vera und 3 % Teebaumöl enthielt. Nach 15 Tagen zeigte sich im Vergleich zur Placebogruppe eine deutliche Besserung. Cremes mit einem hohen Propolisanteil (20 %) erhält man unter anderem bei Imkereien, die selbst Bienenprodukte herstellen.

Aufgesprungene Lippen können mit einem Propolisbalsam gepflegt werden. In Verbindung mit fettenden Substanzen wird die raue Haut wieder weich und geschmeidig. Gleichzeitig treten seltener Hautinfektionen auf. In einer Doppelblindstudie konnte mit einer propolishaltigen Lippencreme (0,5 %) Herpes labialis erfolgreich behandelt werden. Für offene Wunden eignen sich Propolisprodukte jedoch nicht.

Bessere Eisenverwertung bei Anämie

Die Fütterung von Ratten mit Propolis steigerte im Rahmen einer Studie die Regeneration von Hämoglobin, die Eisenverwertung sowie die Kalzium- und Phosphatabsorption und führte durch bessere Nahrungsresorption zu einem Anstieg des Körpergewichts. In einer experimentellen Humanstudie verbesserte die Einnahme von Propolis und Blütenpollen die Therapiewirkung bei ernährungsbedingter Eisenmangelanämie. Um den therapeutischen Nutzen eindeutig zu belegen, müssten allerdings noch weitere klinische Studien folgen.

In Form eines Nahrungsergänzungsmittels wird Propolis zur allgemeinen Stärkung bei erhöhtem Stress und in der Rekonvaleszenz empfohlen. Auch bietet sich der Verzehr von Honig an, der einen gewissen Anteil an frischen Blütenpollen, Gelée Royale und auch Propolis selbst enthält.

Kontraindikationen: Vorsicht Allergie

Da es sich um ein Naturprodukt mit variabler Zusammensetzung handelt, können Unverträglichkeiten auftreten. Wenn Menschen von einer Überempfindlichkeit gegenüber Bienenprodukten wissen, ist Propolis kontraindiziert. Auch eine Zimt- und Perubalsam-Unverträglichkeit schließt die Anwendung aus.

Pollenallergiker können ebenfalls auf Propolis reagieren. Hier bietet sich ein Hauttest vor der Erstanwendung an. Zum Beispiel kann ein Tropfen auf die Haut gegeben und die Reaktion über mehrere Stunden beobachtet werden.

Bei Kindern unter 12 Jahren gilt die Propolisanwendung als kontraindiziert, da nicht genügend Untersuchungen dazu vorliegen.

Produktauswahl: am besten ökologisch und hochwertig

Bienenprodukte können mit Antibiotika- und Pestizidrückständen belastet sein. Durch die Auswahl ökologischer und in Deutschland erzeugter Produkte zertifizierter Imker lässt sich das Risiko minimieren und gleichzeitig eine nachhaltige Imkerei unterstützen.

Ebenso ist die Beimengung von Zusatzstoffen anhand der Zutatenliste zu überprüfen. In Kaugummis und Lutschpastillen sollten zum Beispiel keine Süßstoffe wie Aspartam enthalten sein. Hochwertige Cremes und Salben verzichten auf Konservierungsstoffe und Weichmacher und bestehen lediglich aus einer Fettgrundlage wie Lanolin, Propolis und eventuell noch Bienenwachs.

Propolislösungen werden in verschieden Konzentrationen und entweder auf Alkohol- oder Wasserbasis angeboten. Eine Liste von Bio-Imkern in Deutschland findet sich unter www.bioimkerhonig.de. Lediglich homöopathische Aufbereitungen von Propolis (inklusive der Urtinktur) weisen einen Arzneimittelstatus auf. Mit Propolis steht ein vielseitiges Naturheilmittel zur Verfügung, das vor allem bei hartnäckigen Entzündungen, zur Unterstützung der Abwehr und in der Mundpflege sowohl äußerlich als auch innerlich angewandt werden kann.

Dr. rer. nat. Henrike März
Ernährungswissenschaftlerin und Naturpädagogin
www.einfach-ernähren.de