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MundtrockenheitMundtrockenheit - Was Sie selbst tun können

Xylit, Birkenzucker, Kaugummi
Maik Dörfert/stock.adobe.com

Kauen regt den Speichelfluss an. Bei Kaugummis sollte allerdings auf Zucker verzichtet und Xylit der Vorzug gegeben werden.

von Henrike März

Ein trockener Mund ist ein Ärgernis im Alltag und ein Problem für die Verdauung. Mit einfachen Mitteln können Sie der Mundtrockenheit entgegenwirken.

Inhalt

Ausreichend Flüssigkeit aufnehmen

Reichlich gelb-orange-rotes Obst und Gemüse verzehren

Auf eine gute Zinkversorgung achten

Die Mundschleimhaut gezielt pflegen

Durch gutes Kauen den Speichelfluss anregen

Ursache abklären

Wird zu wenig Speichel gebildet, fühlt sich nicht nur der Mund trocken an. Die zu geringe Speichelbildung hat auch Folgen für die Verdauungstätigkeit und die Mundgesundheit. Als komplex zusammengesetzte Flüssigkeit spielt Speichel u.a. eine Rolle bei:

  • der Vorverdauung von Kohlenhydraten (enthält Enzym α-Amylase),
  • der immunologischen Abwehr (enthält antibakterielle Substanzen, z.B. Lysozym, Immunglobulin-A),
  • der Geschmacksbildung sowie
  • dem Schutz der Mundschleimhaut und Zähne (enthält Mineralien).

Hinzu kommt, dass bei Mundtrockenheit aufgrund des verminderten Geschmacksempfindens der Appetit verloren geht und in der Folge sogar Nährstoffdefizite auftreten können. Daraus ergibt sich eine Art Teufelskreis, weil der Körper bei der Speichelbildung und der Regeneration der Mundschleimhaut auf bestimmte Nahrungsfaktoren und vor allen Dingen auf ausreichend Flüssigkeit angewiesen ist.

Die nachfolgenden Empfehlungen zielen deshalb darauf ab, eine gute Basis für die Speichelbildung zu schaffen.

Ausreichend Flüssigkeit aufnehmen

Achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge. Nicht selten fehlt ein natürliches Durstgefühl, sodass das Trinken schlicht vergessen wird. Als Gedächtnisstütze können Sie sich ein Glas und eine Flasche mit Wasser ins Blickfeld stellen, sodass Sie immer wieder erinnert werden, ein paar Schlucke zu trinken. Mindestens 1,5 Liter pro Tag sollten es sein, gerne auch mehr. Einschränkungen gibt es nur bei bestimmten Erkrankungen, die den Betroffenen gut bekannt sind.

Geeignete Getränke sind stilles Mineralwasser und ungesüßte Kräuter- und Früchtetees. Der Fruchtsäuregehalt z.B. in Hagebutten- oder Hibiskustee regt sanft den Speichelfluss an. Ungünstig sind hingegen die Gerbstoffe in Grünem oder Schwarzem Tee, da sie adstringierend wirken und den Speichelfluss hemmen. Durch einen Schuss Milch oder Sahne im Schwarztee oder Kaffee lässt sich diese Wirkung reduzieren.

Gerne wird Pfefferminztee zur Munderfrischung empfohlen, allerdings wirkt das enthaltene Menthol austrocknend, sodass z.B. Fenchel-, Zitronengras- oder Süßholzwurzeltee bei Mundtrockenheit besser sind.

Gibt es Schwierigkeiten, die tägliche Trinkmenge zu erreichen, bieten sich saftiges Obst (z.B. Melone, Ananas), Obstpürees (z.B. Mangopüree), Suppen und Eintöpfe an, um die Flüssigkeitszufuhr zu erhöhen. Darüber werden gleichzeitig auch wertvolle Vitamine und Mineralien aufgenommen.

Reichlich gelb-orange-rotes Obst und Gemüse verzehren

Aprikosen, Möhren, Süßkartoffeln, Kürbis, Mango, Honigmelone, Papaya, Sanddorn und Kaki sind gute Quellen für Provitamin A. In klinischen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass eine mangelhafte Versorgung mit Vitamin A die Austrocknung der Mundschleimhaut begünstigen kann.

Daher sollte auf eine ausreichende Zufuhr geachtet werden. Da Vitamin A fettlöslich ist, lässt sich durch die Zugabe von etwas Fett die Verwertbarkeit erhöhen. Auch ist Provitamin A aus gedünsteten Gemüsen und Säften besser verfügbar, weil beim Auspressen oder milden Erhitzen die Pflanzenfasern aufgelockert bzw. aufgebrochen werden. Gedünstete Möhren mit etwas Butter, geraspelte, rohe Möhren oder ein Glas frisch gepresster Möhrensaft mit einem Schuss Olivenöl sind demnach empfehlenswerter als pur und roh geknabberte Möhren.

Auf eine gute Zinkversorgung achten

Zinkmangel kann eine Ursache für Mundtrockenheit sein. Als essenzielles Spurenelement ist Zink für zahlreiche biologische Vorgänge von Bedeutung, insbesondere im Immunsystem und beim Zellschutz. Bei der Zinkaufnahme über die Ernährung ist zu beachten, dass andere Nahrungsfaktoren die Verwertbarkeit beeinträchtigen können. Da Zink in einer Mineral-Chelat-Verbindung mit Aminosäuren am besten geschützt ist, bilden besonders eiweißreiche Nahrungsmittel wie Fisch, Meeresfrüchte, Rindfleisch, Hülsenfrüchte, Eier und Geflügelfleisch gute Quellen. Bei Getreideprodukten, Nüssen und Samen enthalten vor allem Buchweizen, Haferflocken, Kürbiskerne, Para- und Erdnüsse relevante Zinkmengen.

Ungünstig kann sich das sog. Phytat in Getreideschalen wie z.B. Weizenkleie auswirken. Es bindet Zink, sodass es über den Darm nicht aufgenommen werden kann. Auch Tannine in Kaffee und Tee, die einen guten Anteil an deren Qualität haben, bilden mit Zink einen unlösbaren Komplex und stören dadurch die Verfügbarkeit. Im Gegensatz dazu lässt sich durch Vitamin C die Bioverfügbarkeit verbessern. Somit unterstützt ein kleines Glas frisch gepresster Obst- und Gemüsesaft (z.B. Fenchel-Orange) zur Mahlzeit die Zinkaufnahme.

Mohn: Rezepttipp für eine gute Zinkzufuhr

Mohn ist mit etwa 10 mg Zink pro 100 g besonders zinkreich. Gemahlene Mohnsamen lassen sich vielfältig in der Küche verarbeiten. Am bekanntesten ist wohl der Mohnkuchen. Doch auch ein veganes Dessert mit Chiasamen kann lecker schmecken. Chia bringt zusätzlich ca. 5 mg Zink pro 100 g mit.

Durch die enthaltenen Schleimstoffe und die damit verbundene gelartige Konsistenz lassen sich Chia-Puddings bei Mundtrockenheit angenehm verzehren.

Mohn-Chia-Pudding mit Heidelbeeren Zutaten (für 2 Personen)

  • 200 ml Hirsemilch
  • 2,5 EL Chiasamen
  • 2 TL gemahlener Mohn
  • 4 getrocknete Datteln
  • 50 g frische Heidelbeeren

Zubereitung: Die Hirsemilch erhitzen und über die Chiasamen gießen. Zwei Stunden quellen lassen. Die Datteln in kleine Stücke schneiden und zusammen mit dem Mohn unter den Chia-Pudding rühren. In Schälchen füllen und mit den Heidelbeeren garnieren.

Die Mundschleimhaut gezielt pflegen

Das sogenannte Ölziehen gehört zu den ältesten Mundhygienemaßnahmen. Zum Beispiel wird es im Ayurveda und in der russischen Volksheilkunde praktiziert. Durch das Spülen mit Öl wird die Mundschleimhaut einerseits mit Fettbestandteilen wie Fettsäuren, aber auch Vitamin E versorgt, andererseits können fettlösliche ausscheidungspflichtige Substanzen leichter abgegeben werden.

Praxistipp: Ölziehen

  • Nach dem Zähneputzen ein Teelöffel Sesam- oder Kokosöl in den Mund nehmen. Das Kokosöl schmilzt bei Körpertemperatur.
  • Dann das Öl für etwa 5 Minuten im Mund bewegen.
  • Anschließend das Öl in die Toilette spucken.
  • Die Lippen noch mit etwas Kokosöl einfetten.

Durch gutes Kauen den Speichelfluss anregen

Kauen regt den Speichelfluss an. Aus diesem Grund wird auch bei Mundtrockenheit empfohlen, Kaugummi zu kauen oder ein Bonbon zu lutschen. Um allerdings die Zähne nicht durch Zucker zu gefährden, sollten die gewählten Produkte zuckerfrei und z.B. nur mit Xylit gesüßt sein. Für Lakritzliebhaber gibt es auch Lakritzpastillen, die ausschließlich aus Süßholzwurzelextrakt bestehen und keinen Extrazucker enthalten.

Ursache abklären

Die genannten Empfehlungen helfen, einer Mundtrockenheit entgegenzuwirken. Für eine dauerhafte und erfolgreiche Behandlung sollte allerdings die genaue Ursache abgeklärt werden. Zum Beispiel kann Mundtrockenheit vorübergehend auftreten, etwa bei trockener Raumluft im Winter, bei Mundatmung infolge von Schnupfen, in stressigen Lebensphasen oder bei hormoneller Umstellung wie zum Beispiel während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Auch bestimmte Medikamentenwirkstoffe können als Nebenwirkung zur Austrocknung der Schleimhäute führen.

Ist die Ursache bekannt, können die oben genannten Empfehlungen mit weiteren therapeutischen Maßnahmen kombiniert werden, sodass sich bald wieder ein angenehmes Mundgefühl einstellt.

Dr. rer. nat. Henrike März
Ernährungswissenschaftlerin und Naturpädagogin
henrike-maerz@t-online.de
www.einfach-ernähren.de 
 

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