Georg Thieme Verlag KG
Natürlich Medizin!

HeilpflanzenporträtLavendel: beruhigend und angstlösend

Lavendel, Angst, Erkältung
New Africa/stock.adobe.com

Lavendel ist für seine angstlösende Wirkung bekannt, die inzwischen auch in Studien nachgewiesen wurde.

von Tobias Niedenthal und Elke Puchtler

Botanik

Die Gattung Lavendel aus der Familie der Lippenblütler umfasst etwa drei Dutzend Arten in mehreren Untergattungen und Sektionen, daneben eine Vielzahl (auch intersektionaler) Hybriden und eine kaum überschaubare Fülle an Varietäten. In der Heilkunde werden vor allem der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) und der Speik-Lavendel (L. latifolia) verwendet, daneben auch Lavandin (L. x intermedia) und der Schopflavendel (L. stoechas) [8]. Weitere Arten werden beforscht [7].

Geschichte

Bei den antiken Autoren wie Dioskurides, Plinius und Galen ist nur der Schopflavendel sicher greifbar. Echter Lavendel und Speik-Lavendel werden ab dem 12. Jahrhundert bei Heinrich von Huntingdon und Hildegard von Bingen beschrieben, die beiden Arten werden aber erst ab 1500 klar unterschieden. Bei Carl von Linné werden Mitte des 18. Jahrhunderts alle drei Arten der Gattung Lavendel zugeordnet. Die Verwendung von Lavendel bei Atemwegserkrankungen lässt sich im Falle des Schopflavendels bis in das 1. Jahrhundert zurückverfolgen, die beruhigende Wirkung des Echten Lavendels wird erstmals Ende des 15. Jahrhunderts erwähnt und verfestigt sich im 19. Jahrhundert [7].

Drogen und Inhaltsstoffe

In der Heilkunde kommt vor allem das durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl der Lavendelarten zum Einsatz. Die Arten unterscheiden sich in der Zusammensetzung ihrer ätherischen Öle, in ihrer Wirkung, in Nebenwirkungen und in Kontraindikationen wesentlich und sind daher nicht austauschbar.

Die Güte des ätherischen Öls des Echten Lavendels wird durch seinen Esteranteil bestimmt, der bis zu 70% betragen kann. Die beiden wichtigsten wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe sind das Monoterpenol Linalool und der Monoterpenoid-Ester Linalylacetat. Das ätherische Öl des Speik-Lavendels hat im Vergleich zum Echten Lavendel einen niedrigeren Esteranteil, weist aber einen signifikant höheren Gehalt an 
Campher und Cineol auf.

Wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe des Lavendels [5, 6]:
         Lavendel fein (Lavandula officinalis)    Speik-Lavendel (Lavandula spika)    Schopflavendel (Lavandula stoechas)    Lavandin (Lavandula x intermedia "Super")  

  Monoterpenole:
  Linalool

  17,8–50%  15,1–54,7%  0,1–0,2%  29,9–43,7%
  Ester:
  Linalylacetat
  10,1–54%  in Spuren bis 9%  26,0–42,5%
  Oxide:
  1,8-Cineol
  in Spuren bis 5,8%  11,9–47,9%  in Spuren bis 3,4%  1,9–4,6%
  Ketone:
  Monoterpenketone:
  Fenchon
  davon: Campher   (Borneone)
  in Spuren bis 5,5%  8–18,6%  2,5–34,3%
  1,2–27,4%
  5,1–19,8%

 

Wirkungen und Indikationen

Die Wirkung standardisierter Phytopharmaka mit Lavendelöl bzw. Spiköl konnte in den letzten Jahren in jeweils mehreren klinischen Studien nachgewiesen werden. Ein spezielles Lavendelöl war bei 
Patienten mit subsyndromalen Angststörungen und bei syndromaler generalisierter Angststörung (GAS) gegenüber Placebo überlegen und ebenso wirksam wie ein Benzodiazepam in der Anfangsdosis oder einem SSRI. Ebenso konnten eine günstige Beeinflussung von Unruhezuständen und Begleitsymptomen, Depressionen, Schlafstörungen und somatischen Beschwerden sowie positive Effekte auf Allgemeinbefinden und Lebensqualität beobachtet werden [4, 2].
Ein in Österreich erhältliches Präparat mit Spiköl zeigte eine signifikante Verbesserung der Symptome bei akuter Rhinosinusitis (Entzündung der Nasenschleimhaut und Nasennebenhöhlen) sowie akuter Bronchitis („unterer Atemwegsinfekt“) [1, 3].

Dieser Inhalt unterliegt den Bestimmungen gemäß Heilmittelwerbegesetz (HWG) und darf nur berechtigten Personen zugänglich gemacht werden. Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Inhalt zu sehen.

[1] Dejaco D et al. Tavipec® in acute rhinosinusitis: A multi-centre, double-blind, randomized, placebo-controlled, clinical trial. Rhinology 2019; 57 (5): 367–374

[2] Donelli D et al. Effects of lavender on anxiety: A systematic review and meta-analysis. Phytomedicine 2019; doi: 10.1016/j.phymed.2019.15

[3] Kähler C et al. Spicae aetheroleum in uncomplicated acute bronchitis: A double-blind, randomised clinical trial. Wien Med Wochenschr 2019; 169: 137–148

[4] Kasper S et al. Silexan in anxiety disorders: Clinical data and pharmacological background. World J Biol Psychiatry 2017; 19 (6): 412–420

[5] Lesage-Meessen L et al. Essential oils and distilled straws of lavender and lavandin: A review of current use and potential application in white biotechnology. Appl Microbiol Biotechnol 2015; 99: 3375–3385

[6] Messaoud C et al. Chemical composition and antioxidant activities of essential oils and methanol extracts of three wild Lavandula L. species. Natural Product Research: Formerly Natural Product Letters 2012; 26 (21): 1976–1984

[7] Niedenthal T et al. „eines so gewaltigen Geruchs, der alle anderen übertrifft“. ZPT 2020; 41 (2): 67–78  

[8] Puchtler E. Lavendelschätze. Darmstadt: pala; 2018

 

Der Artikel ist erschienen in der zkm 2/2020.

Sie interessieren sich für ein Abo? Dann bitte hier entlang.

Tobias Niedenthal und Dr. Elke Puchtler sind Mitglieder der Forschergruppe Klostermedizin.

www.klostermedizin.de

Dass der Darm und das Darmmikrobiom nicht nur das Wohlbefinden beeinflussen, sondern auch zahlreiche Beschwerden und Erkrankungen, belegen immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen. Lesen Sie in unserem Themenschwerpunkt, welche bewährten Optionen die Komplementärmedizin bietet: