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HeilpflanzenporträtArnika

Arnika mit Bergen im Hintergrund.
natros/stock.adobe.com

 

von Karen Nieber

Die Echte Arnika erfreut sich in der Naturheilkunde einer großen Nachfrage. Es gibt mittlerweile eine breite Palette an unterschiedlichen Arnikaprodukten, die zur Behandlung verschiedener Hauterkrankungen, zur Linderung rheumatischer Beschwerden sowie zur schnelleren Wundheilung angewendet werden. Arnika wurde im Jahr 2001 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt und gilt als wissenschaftlich sehr gut untersucht.

Botanischer Steckbrief

Inhaltsstoffe

Wirkungen

Indikationen

Arnika in der Homöopathie

Nebenwirkungen/Wechselwirkungen

Gegenanzeigen

Rezepturen und Dosierungen

Botanischer Steckbrief

Die Echte Arnika (Arnica montana) ist ein typischer Vertreter der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist verwandt mit der Ringelblume, dem Alant oder dem Löwenzahn. Für die Gattung Arnika (Arnica) sind heute 31 verschiedene Arten bekannt, wobei die Echte Arnika die bedeutendste Art ist.

Arnika ist eine charakteristisch krautige, mehrjährige, aromatisch duftende Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 20 und 60 cm erreichen kann. Die Blätter der Echten Arnika sind hellgrün gefärbt und zeigen meist eine eiförmige bis lanzettliche Form. Die Blattränder sind rund. Die Oberfläche der Blätter ist sporadisch bis vollständig behaart. Die oberen Blätter sind meist etwas spitzer zulaufend als die unteren. Meist formen zwei Blätter eine Blattrosette. Häufig sind die unteren Blätter (Grundblätter) leicht gezähnt und gewellt. Auffällig sind die Blattnerven der Pflanze, die stets senkrecht von oben nach unten verlaufen. Im Boden bildet die Arnika zylindrische, dunkelbraune bis fast schwarze Rhizome aus, die als Reproduktionsorgane dienen und durchaus einige Meter lang sein können. Neben den Rhizomen befindet sich in der Wurzelzone ein feines, dichtes Wurzelwerk mit zahlreichen Wurzelhaaren. Zur Blütezeit zwischen Mai bis Anfang September erscheinen die Korbblüten. Jede Blüte besteht aus leuchtend gelben bis leicht orangefarbenen Zungenblüten sowie aus den in der Mitte befindlichen honiggelben Scheibenblüten. Im Anschluss an die Blütezeit bilden sich die bestielten Früchte (Achänen) aus, die einen weißen Schirm (Pappus) tragen. Von der Mitte der Früchte gehen die schwarzen, langgestielten Samen aus. Arnika wird aufgrund des Fruchttyps vorwiegend durch Wind ausgebreitet.

Die Echte Arnika ist in den höheren Regionen Nord-, Ost- und Mitteleuropas heimisch, wo sie auf kalkarmen Wald- und Bergwiesen wächst. Wegen zu starkem Sammeln in der Vergangenheit und Überdüngung von Bergwiesen ist sie mittlerweile selten geworden und steht unter Naturschutz.

Inhaltsstoffe

Die gelben Blütenköpfe der Arnika enthalten als Hauptwirkstoffe Sesquiterpenlactone (0,2–1,5 %) in veresterter Form, insbesondere Helenalin- und 11,13-Dihydrohelenalin-Ester, die entzündungshemmend und antimikrobiell wirken. Auch Flavonoide (z. B. Isoquercitrin, Luteolin-7-glucosid und Astragalin; 0,4–0,6 %), Gerbstoffe und ätherisches Öl mit 2,5-Dimethoxy-p-cymol, Thymol, Thymolethern, Azulen u. a. sind nachgewiesen. Darüber hinaus enthält die Arnikablüte Triterpene, Hydroxycumarine, Phenolcarbonsäuren (Chlorogensäure, Cynarin, Kaffeesäure) und Cumarine (Umbelliferon, Scopolamin).

Wirkungen

Medizinisch verwendet werden ausschließlich die Blüten der Heilpflanze (Arnicae flos). Zubereitungen aus Arnika wirken bei topischer Anwendung antiphlogistisch, konsekutiv analgetisch bei Entzündungen und antiseptisch. Bei chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, der Psoriasis-Arthritis oder den entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen (seronegativen Spondarthritiden) kommt es unter dem Einfluss von proinflammatorischen Zytokinen zur Entwicklung einer Gelenkentzündung (Arthritis). Im Verlauf entwickeln sich unter dem Einfluss der proinflammatorischen Zytokine zunehmende Gewebsschädigungen, die schließlich in eine fortschreitende Zerstörung von Gelenken, Gelenkknorpel oder Knochen einmünden. Arnika lindert die Schmerzen und wirkt Entzündungen entgegen. Vermutlich spielen dabei die Sesquiterpenlactone, besonders das Helenalin, eine Rolle. Es unterdrückt die Bildung von proinflammatorischen Zytokinen (z. B. TNF-alpha).

Die in Arnika enthaltenen Flavonoide und Triterpendiole zeigen ebenfalls antiphlogistische Wirkungen, möglicherweise durch Hemmung der Prostaglandinsynthese.

Arnikablüten wurden vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Basierend auf langjährigen Erfahrungen können sie äußerlich zur Behandlung von Blutergüssen, Verstauchungen und lokalen Muskelschmerzen eingesetzt werden. Die Kommission E und die ESCOP bewerten Arnikazubereitungen positiv zur äußerlichen Anwendung bei Verletzungs- und Unfallfolgen, z. B. bei Hämatomen, Distorsionen, Prellungen, Quetschungen, Frakturödemen, bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie Entzündungen der Schleimhäute von Mund- und Rachenraum, Furunkulose und Entzündungen als Folge von Insektenstichen.

Arnika wird vielfach als Gel gegen Muskel- und Gelenkschmerzen angewendet, oft in Kombination mit Echinacea, Ringelblume, Beinwell, Rosskastanie, Rosmarin und Pfefferminze.

Arnika in der Homöopathie

Auch in der klassischen Homöopathie ist Arnika ein wichtiges Mittel bei Verletzungen der Haut, Bindegewebe, Muskeln, Sehnen, Gelenken und Einblutungen in die Bindehaut des Auges. Als Mittel zur Akutbehandlung kommen oft niedrige Potenzen (D6–D12) zum Einsatz mit der Verabreichung von Arnica montana D12, am ersten Tag stündliche Gabe von 3–5 Globuli, dann 3- bis 4-mal täglich über mehrere Tage. Die Einnahme als Mittel zur Nachbehandlung von Operationen erfolgt in der Regel mit der Potenz D30. Die vorbeugende Einnahme von Arnika ist nicht sinnvoll, da es zu operativen Komplikationen kommen kann. Arnika findet sich in vielen homöopathischen Präparaten zur äußeren Anwendung.

Nebenwirkungen/Wechselwirkungen

Im Vergleich zu vielen anderen Schmerz- und Wundheilungsmitteln gilt Arnika als gut verträglich. Dennoch können bei längerer Anwendung Hautirritationen auftreten. Dies ist vor allem bei Umschlägen mit Arnikatinkturen oder -aufgüssen zu beobachten. Deshalb darf Arnika nur auf die unverletzte Haut aufgetragen werden. Bei innerer Anwendung können Durchfälle oder sogar Herzrhythmusstörungen auftreten, weswegen die Einnahme von Arnikatees nicht mehr empfohlen wird. Bei homöopathischen Anwendungen sind diese Reaktionen in der Regel nicht zu erwarten. Bei bekannten Allergien gegen Korbblütler können bei der Verwendung von Salben und Tinkturen typische Hautausschläge auftreten (Kontaktdermatitis). Die Anwendung ist dann mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind nicht bekannt.

Gegenanzeigen

Wegen der Toxizität von Helenalin bzw. Dihydrohelenalin sollten Tinkturen und Auszüge aus Arnikablüten nicht als Selbstmedikation innerlich angewendet werden, da die therapeutische Breite gering ist und es zu toxischen Reaktionen kommen kann. Für die Anwendung der Heilpflanze während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter zwölf Jahren liegen noch keine Studien zur Unbedenklichkeit vor. Daher wird von der Anwendung für diese Gruppen eher abgeraten.

Rezepturen und Dosierungen

Die Arnikatinktur spielt eine große Rolle als Standardzulassung und als Bestandteil von Fertigarzneimitteln. Verwendet werden ölige Auszüge von Arnikablüten in Salben, Tinkturen zu Umschlägen und als Bestandteil von Salben sowie alkoholische Auszüge der Ganzpflanze in Salben, Gelen und Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung. Bei Aufgüssen werden 2,0 g Droge auf 100 ml Wasser verwendet. Für kühlende Umschläge wird die Tinktur 3-fach mit Wasser verdünnt, bei Mundspülungen sollte die Tinktur 10-fach verdünnt werden. Salben dürfen max. 20–25 % Tinktur enthalten. Am besten eignet sich die aus einem Teil Arnikablüten und zehn Teilen 70 %igem Ethanol hergestellte Tinktur, bei der etwa 92 % der Sesquiterpenlactone in die Tinktur übergehen. Wird ein wässriger Auszug nach Angaben der Standardzulassung hergestellt, so beträgt der Anteil der extrahierten Sesquiterpenlactone etwa 75 %. Für die Zubereitung von Umschlägen sollen 2 g der Blüten mit kochendem Wasser übergossen und nach etwa 5–10 Minuten durch ein Sieb abgeseiht werden. Der Aufguss darf nicht getrunken werden, sondern eignet sich lediglich für die Herstellung von Umschlägen.

Interessenkonflikt: Die Autorin erklärt, dass keine persönlichen oder wirtschaftlichen Interessen bestehen.

Prof. (em.) Dr. Karen Nieber
Pharmakologin 
 

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