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LipoproteinämieMit der Ernährung Einfluss auf Fettstoffwechselstörungen nehmen

Mit einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten können Lipoproteinämien positiv beeinflusst werden. Eine pflanzenreiche Ernährung, bei gleichzeitig geringem Konsum von fettem Fleisch und Zucker, ist vorteilhaft. 

Köstlicher Bauernsalat mit Fladenbrot.
kab-vision/stock.adobe.com

Ernährungsformen wie die mediterrane Ernährung oder die DASH-Diät vereinen wichtige Prinzipien der Ernährung bei Lipoproteinämien und können eine gute Basis einer veränderten Ernährungsweise sein.

von Petra Römmele

Inhalt

Vorteilhafte Ernährungsformen

Körpergewicht

Nahrungsfaktoren mit Einfluss auf eine Hypercholesterinämie

Funktionelle Lebensmittel

Nahrungsfaktoren mit Einfluss auf eine Hypertriglyzeridämie

Zusammenfassung

Erhöhte Blutfettwerte entwickeln sich über einen langen Zeitraum. Dabei ist die Ausprägung der Dyslipoproteinämien von unterschiedlichen genetischen Dispositionen, eventuellen Primärerkrankungen und – oft ganz wesentlich – vom Lebensstil beeinflusst. Diese Faktoren sind relevant in der Prävention sowie bei Anamnese und Definition der therapeutischen Maßnahmen.

Insbesondere wenn Über- oder Fehlernährung vorliegen, sollte vermehrte Bewegung und die Veränderung der Ernährungsweise eine bedeutende Rolle spielen. Die Ansätze für Prävention und Therapie sind dabei vergleichbar, unterscheiden sich jedoch in der Intensität der Interventionen. Werden Veränderungen über einen längeren Zeitraum erreicht, hat dies einen relevanten Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko [1], [2].

Vorteilhafte Ernährungsformen

Obwohl immer wieder einzelne Nährstoffe als wichtige Parameter zur Beeinflussung der Blutfettspiegel diskutiert werden, ist schließlich deren kombinierte Wirkung in einer gesamten komplexen Ernährungsweise von Bedeutung. Sowohl die Dash-Ernährung (DASH = dietary approach to stop hypertension) als auch die mediterrane Ernährungsform vereinen wesentliche Faktoren, die sich positiv auf Blutfette auswirken. Beiden Ernährungsformen (Tab. 1) ist gemein, dass sie einen hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel beinhalten. Sie werden auch bei bestehenden Fettstoffwechselstörungen empfohlen [3].

Merkmal

DASH-Diät

Mediterrane Ernährung

reich an

- Obst, Gemüse

- fettarmen Milchprodukten

- Vollkorngetreide

- Geflügel, Fisch

- Nüssen

- Obst, Gemüse

- Olivenöl

- Hülsenfrüchte

- Vollkorngetreiden

- Nüsse und Samen

- Sauermilchprodukten

- Fisch

geringer Anteil an

- rotem Fleisch

- Süßwaren und süßen Getränken

- Gesamtfett und gesättigten Fettsäuren

- Natrium bzw. Kochsalz

- rotem Fleisch

- Süßwaren und süßen Getränken

- Alkohol (moderate Zufuhr an Rotwein während der Mahlzeiten)

Neuere Auswertungen der Effekte verschiedenster Lebensmittel auf die Entwicklung hoher LDL-Cholesterinwerte untermauern diese Prinzipien. Die LDL-Cholesterin senkende Wirkung ist gut belegt für Lebensmittel mit hohem Anteil an

  • ungesättigten Fettsäuren, wie Rapsöl oder Fettfischen

  • Ballaststoffen, wie Flohsamen, Leinsamen und Hafer

  • pflanzlichen Sterinen, z. B. in Phytosterin angereicherter Margarine

Darüber hinaus können bestimmte Lebensmittel wie Sojabohnen, Tomaten, Mandeln und Avocado LDL-senkende Effekte haben. Andere korrelieren mit steigenden LDL-Cholesterinwerten. Hierzu zählen z. B. verarbeitete Produkte mit hohem Anteil gesättigter und Transfettsäuren wie Gebäck, Croissants, Speiseeis, aber auch ungefilterter Kaffee und Zucker [4]. Daraus abgeleitet lassen sich Übersichten zu Lebensmitteln entwickeln, die bevorzugt konsumiert und eher gemieden werden sollten (Tab. 2).

Lebensmittelgruppe

Zu bevorzugen

Zu meiden

Gemüse

Frischgemüse, tiefgefrorenes Gemüse, möglichst 3 Portionen am Tag in möglichst hoher Vielfalt, fettarm zubereitet

Gemüsekonserven mit zugesetztem Fett oder Zucker

Obst

Frischobst, möglichst hohe Vielfalt, ungezuckert, tiefgefrorenes Obst, ungezuckertes Obstkompott

gezuckertes Obst, z. B. in Konserven, Trockenobst


Fruchtsaftgetränke

Getreide

Vollkorn und Vollkornprodukte, auch: Haferkleie, Flohsamen


bei Kuchen: Gebäck mit wenig Ei, z. B. Hefekuchen

helle Mehle, Weißbrot, heller Reis, Nudeln


gebackene Produkte mit hohem Fett- oder Eigehalt: Croissants, Muffins etc.

Nüsse und Samen


Nüsse (z. B. Walnüsse, Mandeln)


auch: Leinsamen

gesalzene Nüsse, Kokosnüsse

Leguminosen


Nüsse (z. B. Walnüsse, Mandeln)


auch: Leinsamen

-

Fette und Öle

pflanzliche Öle, reich an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie Rapsöl, Walnussöl, Olivenöl


auch: Fette mit angereicherten Pflanzensterinen


auch: hochdosierte langkettige Omega-3-Fettsäuren bei Hypertriglyzeridämie

tierische Fette, Mayonnaise, Remoulade,


Pflanzenfette mit hohem Anteil an gesättigten Fettsäuren oder Transfettsäuren: Palmöl, Kokosöl


fettreiche Lebensmittel wie Kuchen, Gebäck, Chips

Süßwaren und süße Getränke

-

süße Getränke, Eiscreme, Kuchen, Gebäck, fruktosehaltige Produkte, Nuss-Nougat-Creme

Fleisch und Fleischwaren, Fisch

Fettfisch


Geflügel ohne Haut


mageres Muskelfleisch


Sülzen, Corned Beef, Geflügelwurst

verarbeitete Fleischprodukte: Wurstwaren, Salami, Speck, durchwachsenes, fettes Fleisch, Schweinemett, Gans, Ente, Innereien, Krustentiere

Milchprodukte und Eier

Eiweiß, Milch und Naturjoghurt mit 1,5 % Fett, Magerkäse (10 % Fett i.Tr.), Sauermilchkäse (Harzer)

Sahne, Vollmilchprodukte


gelegentlich: Eier

Zubereitungen, Garverfahren

Rohkost, Dünsten, Dampfgaren, Grillen

fettreiche Zubereitungen, Frittieren

Körpergewicht

Das Körpergewicht spielt bei Dyslipoproteinämien häufig eine Rolle. Insbesondere bei hohen Triglyzeridwerten ist die Gewichtsreduktion wesentlich für die Normalisierung der Blutwerte [5]. Aber auch die Cholesterinwerte können durch eine Gewichtsnormalisierung positiv beeinflusst werden. Die Gewichtsreduktion wirkt auf das HDL-Cholesterin erhöhend, während es auf das LDL-Cholesterin reduzierend wirkt [5], [6]. Dabei kann auch die durchgeführte Ernährungsweise bzw. Diät bedeutsam sein. Eine zur Gewichtsreduktion durchgeführte fettreduzierte Diät hat stärkere Effekte auf das LDL-Cholesterin als eine stark kohlenhydratreduzierte Reduktionskost [6].

Nahrungsfaktoren mit Einfluss auf eine Hypercholesterinämie

Bei Hypercholesterinämie sollte eine pflanzen- und ballaststoffreiche Ernährung mit Augenmerk auf Fettmenge und -qualität durchgeführt werden. Mit einer solchen modifizierten Ernährung kann das LDL-Cholesterin um bis zu 30 % gesenkt werden (Tab. 3) [7].

Hypercholesterinämie

Hypertriglyzeridämie

Ernährung mit hohem Anteil pflanzlicher Lebensmittel

Ernährung mit hohem Anteil pflanzlicher Lebensmittel

isokalorische Ernährung – Übergewicht reduzieren

isokalorische Ernährung – Übergewicht reduzieren

Transfettsäuren vermeiden

Alkoholzufuhr reduzieren/meiden

Anteil gesättigter Fettsäuren insbesondere aus tierischen Produkten reduzieren

Kohlenhydratzufuhr begrenzen und auf niedrigen Glykämischen Index achten (Zucker- und insbesondere Fruktosezufuhr stark reduzieren)

ballaststoffreich ernähren

ggf. langkettige Omega-3-Fettsäuren supplementieren

Cholesterinzufuhr reduzieren

 

ggf. funktionelle Lebensmittel mit Phytosterinen

 
Nahrungsfette

Sowohl die Gesamtfettzufuhr als auch die Zusammensetzung der Nahrungsfette hat Einfluss auf die Lipoproteinkonzentration im Blut. Eine Reduktion des Anteils von Fett an der Energiezufuhr senkt die Gesamt- und LDL-Cholesterol-Konzentration im Plasma [8], [9].

Den Einfluss der Qualität der zugeführten Fette lässt sich beim Vergleich verschiedener Ernährungsweisen beobachten. So zeigte sich bereits in der Lyon Diet Heart Study: Eine mediterrane Ernährungsweise mit hohem Anteil an Monoensäuren und langkettigen Omega-3-Fettsäuren übt einen sekundärpräventiven Effekt auf das Auftreten von koronaren Herzerkrankungen aus [10]. In der PREDIMED-Studie wurde unter einer mediterranen Ernährung, die reich an pflanzlichem Fett aus Olivenöl oder Nüssen war, vorteilhafte Effekte auf den Fettstoffwechsel und primärpräventive Effekte auf koronare Herzerkrankungen dokumentiert [11]. Es sind vor allem eine hohe Zufuhr gesättigter und Transfettsäuren, die in Zusammenhang mit hohen Cholesterinspiegeln stehen. Die nachteilige Wirkung der gesättigten Fettsäuren geht auf eine verringerte Bindung und Aufnahme der LDL-Partikel über den LDL-Rezeptor in die Zellen zurück. Ungesättigte Fettsäuren verursachen eine verbesserte Funktion des LDL-Rezeptors [12]. Daher steht die verminderte Zufuhr gesättigter Fettsäuren (im Austausch mit einfach oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren) im Vordergrund [13], [14].

Gesättigte Fettsäuren finden sich in vielen Lebensmitteln. Dabei hat jedes Lebensmittel sein eigenes Fettsäureprofil. Insbesondere Fettsäuren mit einer Kettenlänge von 12–16 C-Atomen wirken LDL-Cholesterin erhöhend. Diese langkettigen Fettsäuren kommen in hohen Anteilen in fettreichen tierischen Lebensmitteln vor. Wenngleich die Empfehlungen zur diätetischen Beeinflussung des Blutcholesterins die geringere Zufuhr gesättigter Fettsäuren in den Mittelpunkt stellen, wird zunehmend deutlich, dass auch die gesättigten Fettsäuren in ihrer jeweiligen Matrix beurteilt werden müssen. Die Ernährung mit vollfetter Milch und Milchprodukten, unverarbeitetem Fleisch und dunkler Schokolade enthält zwar einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, ist jedoch nicht so kritisch für die Blutfettwerte. Demgegenüber sollte der Verzehr von Wurstwaren, tierischen Fetten wie Schmalz oder gehärteten pflanzlichen Fetten, wie sie viel in Backwaren und Fertigprodukten verarbeitet werden, eingeschränkt werden. Gesättigte Fettsäuren sollten daher differenzierter beurteilt werden [15]. Betroffene mit Dyslipoproteinämien könnten durch gezielte Veränderung der Ernährungsgewohnheiten mit geringerem Konsum von verarbeiteten Fleisch- und mehr Milchprodukten profitieren [16].

Transfettsäuren entstehen bei der Erhitzung und der Hydrierung bzw. Härtung von pflanzlichen Fetten. Sie werden weiterhin durch den Einfluss von Mikroorganismen im Pansen von Wiederkäuern gebildet und finden sich damit im Milchfett und den daraus hergestellten Produkten. Es gilt als gesichert, dass die Zufuhr von Transfettsäuren die LDL-Cholesterinspiegel erhöht sowie proentzündlich wirken [17]. Ziel sollte daher sein, so wenig Transfettsäuren wie möglich aufzunehmen [18]. Auch wenn die Herstellungsprozesse von Pflanzenfetten und den daraus hergestellten Produkten mit dem Ziel der Reduktion des Gehalts der Transfettsäuren stark verbessert wurden, finden sich diese noch immer in Produkten wie Margarine, Pommes frites, Backwaren oder Knabberartikeln. Die einfachste Maßnahme, um Transfettsäuren in der Ernährung zu vermeiden, ist, unverarbeitete Lebensmittel und kaltgepresste Öle zu bevorzugen, denn darin kommen sie nur in geringen Mengen vor. Und wenn Speisen frittiert werden sollen, sollte man auf raffinierte, hitzestabile Öle zurückgreifen.

Die Gesamt- und LDL-Cholesterin erhöhende Wirkung der gesättigten Fettsäuren (C12–C16) sowie der Transfettsäuren und – im Gegensatz dazu – die senkende Wirkung der Ölsäure sowie der langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren gilt als belegt. Omega-6-Fettsäuren wie Linolsäure wirken dabei allerdings auch auf das HDL leicht senkend, was bei den langkettigen Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA nicht der Fall ist [19].

Cholesterin

Cholesterin wird über die Nahrung aufgenommen und zu einem weiteren großen Anteil vom Organismus synthetisiert, vor allem in der Leber. Die körpereigene Bildung steht in einer Art Gleichgewicht mit der exogenen Aufnahme. Hohe LDL-Cholesterinkonzentrationen im Plasma des Menschen mit einer begrenzten Nahrungscholesterinzufuhr beeinflussen zu wollen, liegt nahe. Tatsächlich kann eine verminderte Zufuhr an Cholesterin über die Nahrung von Vorteil sein. Allerdings sprechen nicht alle Personen auf diese Maßnahme an. Empfohlen wird, die tägliche Cholesterinzufuhr auf 300 mg/Tag zu begrenzen, was mit einer Zufuhr von einem Hühnerei, 200 g Krabben oder 300 mg Käse erreicht ist. [3], [20], [21]. Cholesterin findet sich ausschließlich in tierischen Produkten. Oftmals sind hohe Mengen an Cholesterin und an gesättigten Fettsäuren in den gleichen Lebensmitteln vergesellschaftet. Daher kann der eingeschränkte Verzehr von tierischen Fetten, fettreichem Fleisch, fettreichen Wurstsorten und Eiern durchaus empfehlenswert sein.

Ballaststoffe

Ballaststoffe tragen über mehrere Mechanismen zu einer Senkung der Blutfette und hier insbesondere des LDL-Cholesterins bei. Besonders die wasserlöslichen Ballaststoffe (z. B. Pektine, β-Glucane, Schleimstoffe oder Inulin, wie sie sich in Obst und Gemüsen oder Hafer finden) senken das Blutcholesterin [22], [23] sowie das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse [24]. Ballaststoffe wirken, indem sie das Nahrungscholesterin aber auch die aus dem Cholesterin gebildeten Gallensäuren im Darm adhäsiv binden, was eine verminderte Resorption zur Folge hat. Ein Teil der Ballaststoffe wird in unteren Darmabschnitten von Bakterien des Mikrobioms verstoffwechselt. Die entstehende kurzkettige Fettsäure Propionsäure hemmt nach Resorption die hepatische Cholesterinsynthese. Darüber hinaus haben Ballaststoffe noch weitere wichtige Funktionen wie bessere Sättigung und längere Magenpassagezeit, was wichtig für den Erhalt eines normalen Gewichts ist. Daher ist die Umstellung auf eine ballaststoffreiche Ernährung mit Vollkornprodukten und mindestens 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst am Tag bedeutsam. Zusätzlich kann die Ernährung z. B. noch mit Haferkleie angereichert werden. Dabei können bis zu 100 g Kleie in 4–5 Portionen am Tag (jeweils mit ca. 125 ml Wasser) verwendet werden.

Funktionelle Lebensmittel

Pflanzliche Sterole und Stanole

Von der Zufuhr von Phytosterinen und -stanolen ist bekannt, dass sie die LDL-Cholesterinspiegel senken können. Sie kommen in pflanzlichen Ölen und Fetten vor. Dabei wird die Wirkung bei höherer Zufuhr auf eine kompetitive Hemmung der Cholesterinaufnahme im Darm zurückgeführt [25], [26]. Der Effekt ist dosisabhängig und zeigt eine abflachende Wirkung bei einer täglichen Zufuhr von ca. 3 g/Tag [2]. Über die pflanzenreiche Ernährung werden nur ca. 250–500 mg Phytosterine pro Tag aufgenommen. Wer den Effekt der pflanzlichen Sterine nutzen will, muss daher auf funktionelle Lebensmittel bzw. Supplemente (z. B. angereicherte Pflanzenmargarine) zurückgreifen.

Roter Hefereis

Rotschimmelreis ist ein Fermentationsprodukt von gekochtem Reis. Durch die Fermentation entstehen neben Farbstoffen auch Monacoline, die auch LDL-cholesterinreduzierende Eigenschaften haben [27]. Das im Aufbau und Wirkung mit dem Wirkstoff Lovastatin identische enthaltene Monakolin K soll wegen potenzieller Nebenwirkungen nur unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden [28].

Nahrungsfaktoren mit Einfluss auf eine Hypertriglyzeridämie

Es ist vor allem das Übergewicht aber auch die hohe Zufuhr niedermolekularer Kohlenhydrate, hoher und häufiger Alkoholkonsum sowie eine fettreiche Ernährung, die die Entwicklung hoher Triglyzeridspiegel im Plasma begünstigen. Daraus lassen sich entsprechende diätetische Ansätze ableiten ([ Tab. 3 ]). Bei vorhandenem Übergewicht steht an erster Stelle die Normalisierung des Gewichts [5]. Allein mit der Gewichtsreduktion kann bereits eine Senkung der Triglyzeride um bis zu 40 % erzielt werden [7].

Alkohol

Regelmäßiger und höherer Alkoholkonsum führt zu vermehrter Bildung von Triglyzeriden in der Leber und in der Folge hohen Triglyzeridspiegeln. Das parallele Vorliegen von Diabetes und Übergewicht verstärkt den Effekt [29]. Eine Einschränkung der Alkoholzufuhr ist daher bei Hypertriglyzeridämie unverzichtbar.

Zucker

Eine hohe Zufuhr von Mono- und Disacchariden, insbesondere von Fruktose, führt zu einer erhöhten Trigylzeridsynthese in der Leber und in der Folge zu einem Anstieg der VLDL-Fraktion im Blut. Abhängig vom Ausmaß der hohen Triglyzeridspiegel sollte daher nicht nur auf Süßigkeiten und süße Getränke verzichtet werden, sondern auch der Verzehr von Obst auf maximal 2 Portionen am Tag reduziert werden. Eine Ernährung darf durchaus Kohlenhydrate enthalten, sie sollte jedoch ballaststoffreich sein und einen niedrigen glykämischen Index aufweisen [30].

Fette

Bei Übergewicht und besonders bei sehr hohen Triglyzeridwerten sollte die Gesamtzufuhr an Fetten reduziert werden, was z. B. durch den Austausch von fettreichen durch fettarme Lebensmittel, das Vermeiden von Fertigprodukten und fettarme Zubereitungsmethoden erlangt werden kann. Als Richtwert kann die Auswahl von Lebensmitteln mit maximal 3 g Fett pro 100 g Lebensmitteln hilfreich sein. Wichtig ist dabei, auf die Fettqualität zu achten: Der bevorzugte Einsatz von Fetten und Lebensmitteln mit ungesättigten Fettsäuren sollte im Vordergrund stehen [31], [32]. Auch hier hat sich gezeigt, dass eine mediterrane Ernährung mit Olivenöl oder Nüssen die Bluttriglyzeride sowie das kardiovaskuläre Risiko senken kann [32].

Omega-3-Fettsäuren

Hohe Triglyzeridspiegel im Blut können durch die Zufuhr von langkettigen Omega-3-Fettsäuren gesenkt werden. Dabei können Kombinationen von Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) oder EPA alleine in einer Dosierung von bis zu 4 g/Tag zum Einsatz kommen. Die Effekte einer solchen Supplementierung sind interindividuell aber auch von der Dosis und der Höhe der Triglyzeridspiegel zu Beginn der Therapie abhängig. Mit einer solchen Supplementierung können die Triglyzeridspiegel um ≥ 30 % gesenkt werden – und damit genauso wirksam wie eine Therapie mit Statinen. Bei sehr hohen Triglyzeridspiegeln können diese um bis zu 60 % gesenkt werden [33]. Solche Dosierungen können mit einer Zufuhr von fettreichem Fisch nicht erzielt werden und erfordern die Zufuhr spezieller, hochdosierter Supplemente, z. B. in Form von Fischölkapseln. Die kurzkettigere Omega-3-Fettsäure α-Linolensäure verursacht diese Effekte nicht [33], [34], [35].

Oxidativer Stress bei Dyslipoproteinämie

Bei Hyerlipoproteinämie kommt es zu einer vermehrten Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies und Entzündungen in den Plaques, was zu einer vermehrten Bildung von Oxidationsprodukten führen und kardiovaskuläre Ereignisse fördern kann. Nahrungsmittel enthalten unterschiedliche antioxidativ wirksame Komponenten (wie Polyphenole, Flavonoide, Vitamin E und C sowie β-Carotinoide), die diesem Vorgang entgegenwirken können. Antioxidative Effeke bei Hyperlipidämien wurden im Zusammenhang mit dem Konsum verschiedener Lebensmittel (wie Olivenöl, Beeren, grüner Tee, Soja und Kakao) beschrieben [36], [37], [38], [39]. Auf die ausreichende Zufuhr von Antioxidantien sollte also geachtet werden.

Zusammenfassung

Dyslipoproteinämien können durch eine Ernährungsanpassung beeinflusst werden. Eine Ernährungsform wie die der mediterranen Ernährung oder der DASH-Ernährung kann hierfür eine sehr gute Basis sein, da diese bereits wesentliche vorteilhafte Nährstoffanpassungen berücksichtigen. Zudem sind solche Ernährungskonzepte für diejenigen, die eine Ernährungsumstellung anstreben, leicht umsetzbar. Funktionelle Lebensmittel oder Omega-3-Fettsäuren-Supplemente können die Ernährungstherapie sinnvoll ergänzen.

Prof. Dr. Petra Römmele
Ökotrophologin

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