Georg Thieme Verlag KG
Natürlich Medizin!

HauterkrankungenErnährung als Therapie bei Hauterkrankungen

Weißer Teller mit Gemüsesuppe
K. Oborny/Thieme

Milde Gemüsesorten in gekochter Form sind erlaubt.

von Monika Pirlet-Gottwald

Inhalt

Die Haut – Schutzhülle zwischen innerem Milieu und Umwelt

Das intestinale Immunsystem

Intestinale Intoxikation und Hauterkrankungen

Entzündungen zeigen sich auf der Haut

Ernährung als Therapie

Meiden, was den Darm überfordert

Grundregeln für richtiges Essen

Ein Fall aus der Praxis

Die Haut – Schutzhülle zwischen innerem Milieu und Umwelt

Mit ihrer Gesamtfläche von etwa 2 m2 schützt uns die Haut vor chemischen, physikalischen, mechanischen Schädigungen und vor dem Eindringen von Mikroorganismen. Über Neurorezeptoren und lange Nervenfasern des in der Unterhaut liegenden mesenchymalen Bindegewebes ist sie eng mit dem vegetativen Nervensystem verknüpft. Immunkompetente Zellen stehen in regem Austausch mit anderen Organsystemen.

Betrachten wir die Haut, so wird schnell klar, dass sie nicht etwa an den Lippen zu Ende ist. Sie verändert sich und durchzieht als Schleimhaut unser Körperinneres: den Mund, den Magen, den gesamten Verdauungstrakt und ebenso weite Teile anderer Hohlorgane wie den Atemtrakt, die Nieren mit den ableitenden Harnsystemen und z. T. auch die Geschlechtsorgane. Auch die Schleimhäute – insbesondere die des Gastrointestinaltrakts – sind Grenzflächen.

Hier wird durch das komplexe Zusammenspiel von Enzymsekretion die Nahrung in ihre Bestandteile zerlegt. Freie Fettsäuren werden nach Micellenbildung passiv absorbiert. Aktive Transportproteine (Natrium-Kalium-Pumpe) sorgen für die Resorption von Monosacchariden (Glukose- oder Fruktosetransporter) und Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen - ein ausgewogenes Elektrolytgleichgewicht (Membranpotential) vorausgesetzt.

Die Besiedelung mit einer komplexen Bakterienflora spielt eine wesentliche Rolle für die Integrität dieser Schleimhaut.

Ein gesundes Darmklima

Keime aus der Gruppe der Firmicutes versorgen die Enterozyten mit Butyraten (Faecalibacterium prausnitzii) und bilden schützende Muzine (Akkermansia muciniphila). Protektive Keime, die anaeroben Lactobazillen und Bifidobakterien sorgen für das leicht saure Milieu, das für die Enzymwirkung wichtig ist. Sie regulieren das entzündliche Geschehen und haben auch beruhigende Wirkung auf das vegetative Nervensystem. Proteolytische (Fäulnis-)Bakterien und Hefen werden verdrängt.

Zur Immunflora zählen v.a. die Aerobier Enterococcus faecalis für die Bildung der Abwehr von Fremdkeimen (sIgA) und Escherischia coli, die einen positiv immunmodulierenden Einfluss ausüben: Überschießende Immunreaktionen kommen zur Ruhe, Entzündungen heilen ab.

Zu einer Ernährungstherapie bei Hauterkrankungen gehört deshalb auch eine strukturierte Mikrobiologische Therapie.

In den tiefer gelegenen Schleimhautschichten im mesenchymal-interstitiellen Raum liegt das „Schleimhaut-assoziierte lymphatische Gewebe“ bzw. MALT (von engl.: mucosa associated lymphoid tissue). Hier werden spezifische Abwehr-Immunglobuline (Immunglobulin A, sIgA) abgesondert, die eine wichtige Schutzfunktion gegen eindringende Krankheitserreger darstellen und als Schleimhautimmunität (engl.: mucosal immunity) bezeichnet werden. Diese mukosalen Immunsysteme der inneren Organsysteme des Darms, der Bronchien, des Nasopharyngeal-Raums, der Niere und Blase stehen in enger Verbindung – auch mit der äußeren Haut.

Das intestinale Immunsystem

Eine ganz besondere Bedeutung kommt dem intestinalen Immunsystem zu („gut associated lymphoid tissue“, GALT), denn es macht den größten Teil unseres Immunsystems aus. 80 % aller Immunzellen haben hier in den Peyer’schen Plaques, in der Mesenterialwurzel ihren Ursprung. Kein anderes Organ bildet ähnlich viele Antikörper: ein fein abgestimmtes System aus Makrophagen, Mastzellen, B- und T-Lymphozyten, zellulären und humoralen Immunreaktionen.

Darüber hinaus liegt in der Darmmukosa ein neuroendokrinologisch hochaktiver Geweberaum: das intestinale Nervensystem. Hier vernetzen sich Parasympathikus und Sympathikus, hier werden etwa 90 % des regulierenden Hormons Serotonin gebildet. Serotonin reguliert die Darmdurchblutung, die Darmmotorik und besitzt neben der stimmungsaufhellenden auch eine appetitzügelnde Wirkung. Die intestinale vegetative Balance steht in engem Zusammenhang mit den neuralen Regulationen in der Haut und den übrigen Organen. Eine nachhaltige Therapie von Hauterkrankungen muss daher den Darm immer mit behandeln, denn wie ein chinesisches Sprichwort besagt: „Egal wie der Vater der Krankheit heißt, die Mutter ist immer die Ernährung.“

Veränderte Esskultur und ihre Folgen

Verdauungsstörungen zählen zu den häufigsten Beschwerden unserer Zeit. Veränderte Nahrungsmittel, Zubereitungen und Lebensgewohnheiten beeinflussen unsere Esskultur: Hektik und hastiges Essen verhindern das sorgfältige Kauen, das richtige Einspeicheln, das Aus-Schmecken, Genießen und Aus-Kosten der Nahrung.

Häufig wird den Verdauungsorganen mit großen Einzelmahlzeiten zu viel oder zu vielerlei, oft zu spät am Abend aufgezwungen. Auch sind viele Nahrungsmittel zu schwer verdaulich: Rohe Körner, grobes Vollkornbrot, Salate, Fett-Gebratenes. Dies gilt insbesondere, wenn sie erst am späteren Abend gegessen werden. Blähungen, wechselnde Stuhlgänge, Nahrungsunverträglichkeiten, ein „gereizter“ Darm sind die ersten und häufigsten Symptome.

Intestinale Intoxikation und Hauterkrankungen

Im proximalen Dünndarm sollen aus dem Nahrungsbrei Aminosäuren, Einfachzucker, Fettsäuren und die meisten Vitamine, Mineralien und Spurenelemente resorbiert werden. In den unteren Darmabschnitten, besonders im Dickdarm, werden dann noch Wasser und einige Elektrolyte resorbiert. Ein fein abgestimmtes Kau- und Enzymsystem sorgt dafür, dass die komplexe Nahrung aufgeschlüsselt und in diese Bestandteile zerlegt wird.

Bleibt die Nahrung unverdaut und wird nicht von den Darmsäften aufgeschlüsselt, wird sie von den Bakterien in tieferen Darmabschnitten zersetzt. Schwerverdauliche faserreiche Kohlenhydrate gären, es entstehen Methanol, Butanol, Propanol und andere Fuselalkohole und Gase: erkennbar am aufgetriebenen Leib und Blähungen. Proteine oder Polypeptide werden durch proteolytische Keime zersetzt, sie faulen. Es entstehen Ammoniak und andere toxische Stoffe – Indol, Kresol, Phenol, Skatol. Dieser Reizzustand äußert sich in einer Neigung zu breiigen und schmierigen Entleerungen.

Das Ausmaß dieser Zersetzungsvorgänge erkennt man besonders am üblen Geruch des Stuhls und der abgehenden Gase. Häufig stellt sich dann aber auch ein Erschöpfungszustand des Darms ein mit hartnäckiger Darmträgheit. Diese Patienten leiden besonders unter den Intoxikationen.

Toxine schädigen mukosales Immun- und Nervensystem

All diese Stoffe führen zu entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut. Die Mikrovili der Schleimhautzellen flachen ab, es wird zu wenig Laktase gebildet. Spezifische Transportmechanismen, z.B. für Zink oder Fruktose (GLUT5) nehmen in ihrer Aktivität ab. Diese nicht resorbierbaren Zucker werden von den Bakterien im Darm vergoren: Die typischen Symptome sind ausgeprägte Blähungen und Durchfälle. Die Toxine werden in der Darmschleimhaut aufgenommen, schädigen das mukosale Immun- und Nervensystem und durchströmen die Leber.

Auf längere Sicht ist die Leber in ihrer Entgiftungsaufgabe überfordert (NAFLD, Hepatopathie). Die Stoffe gelangen über den Blutkreislauf in den Stoffwechsel, in alle Organsysteme. Sie sammeln sich in den Ausscheidungsorganen (Nachweis über den Urin) in der Niere und in der Haut, lokale Entzündungsreaktionen sind die Folgen. Wir sprechen von der intestinalen (Auto-)Intoxikation.

Diese exsudative Entzündung der Darmschleimhaut ist im Stuhl nachweisbar über das vermehrte Auftreten der Akut-Phase-Proteine alpha-1-Antitrypsin, Calprotectin, sIgA oder Zonulin. Die Tight-junctions der Darmschleimhautzellen lösen sich, wir sprechen vom Leaky-gut-Syndrom, dem Syndrom des „löchrigen Darms“.

Hochmolekulare, unverdaute Proteine penetrieren interzellulär und treffen auf das Mucosa-assoziierte Immunsystem (GALT). Entzündungs- oder Immunbotenstoffe (Interleukine, TNFalpha-Faktoren) oder auch spezifische Antikörperbildung können ausgelöst werden (IgE, IgG4). Diese gelangen über den Blutkreislauf in den Stoffwechsel und von dort in ferne Organsysteme.

Entzündungen zeigen sich auf der Haut

Für zahlreiche Beschwerden und Erkrankungen der Haut wie Urtikaria, Ekzeme, Rosazea, Neurodermitis, Akne, Mykosen, aber auch für Autoimmunerkrankungen wie die Psoriasis müssen wir diese intestinalen Entzündungs- und Immunreaktionen (mit-)verantwortlich machen.

Aminosäuren wie Histidin, Tyrosin, Tryptophan und Phenylalanin werden in ihre biogenen Amine abgebaut, die zu neurovegetativen Dystonien und Regulationsstörungen führen (Schlafstörung, Obstipation, Erschöpfung). Das hier anfallende Histamin ist wesentlich für viele pseudoallergische Reaktionen (Urtikaria) der Haut verantwortlich zu machen.

Ernährung als Therapie

Oberstes Ziel einer Ernährungstherapie ist die Beseitigung der intestinalen Intoxikation, die Beseitigung der entzündlichen und immunologischen Vorgänge in der Darmschleimhaut und dem assoziierten mesenchymalen Raum, dem vegetativen Nerven- und Immunsystem. Der diätetische Weg ist die Schonung und Entlastung des Verdauungssystems: Die Schleimhaut heilt, die Entzündungen und überschießenden Immunreaktionen im GALT kommen zur Ruhe. Entzündungen und Erkrankungen der Haut heilen ab.

Die Nahrung sollte vielseitig und abwechslungsreich zusammengestellt werden. Sie muss so gegessen und gekaut werden, dass sie im Mund vollständig verspeichelt, im Magen von der Magensäure eingesaftet wird und im Duodenum von den Enzymen durchdrungen und in ihre Bausteine – Proteine in Aminosäuren, Kohlenhydrate in Monosaccharide und Fette in die einzelnen Fettsäuren – zerlegt wird. Diese werden im Jejunum dann vollständig resorbiert, die Mikroflora normalisiert sich, die Fäulnis- und Gärungskeime verschwinden. Also:

Kauen, einspeicheln, auskosten! Je kleiner die Mahlzeiten, desto leichter die Verdauung.

Meiden, was den Darm überfordert

Schwer verdauliche faserreiche Nahrungsmittel, Obstsäuren und säurehaltige Speisen sind zu meiden. Insbesondere bei entzündlichen Erkrankungen wie der Neurodermitis und den rheumatisch- dermatologischen Erkrankungen hat sich eine eiweißarme, fettbetonte Kost bewährt.

Bei spezifischen Immunreaktionen ist die Karenz der entsprechenden Lebensmittel ein wichtiger Schritt. In manchen Fällen kann eine milde Fastentherapie, eine F.X. Mayr-Kur zum Einstieg, oder auch eine Umstellung auf eine ketogene Ernährung deutliche Besserung der Beschwerden bringen. Kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel wie Getreide, Brot, Reis und natürlich Zucker werden weitgehend durch gesunde Fette (Leinöl, Fischöl, Olivenöl, aber auch Bio-Butter) – nicht aber durch Eiweiße! – als Energieträger ersetzt.

Besonders durch die vermehrte Zufuhr an Omega-3-reichem Fischöl wird die Bildung antientzündlicher Prostaglandine gesteigert. Begleitend dazu können Spülungen des Verdauungsorgans (Bittersalze, hohe Einläufe oder eine Colon-Hydro-Therapie) und eine forcierte Ausleitung über die Atemluft (Bewegung) oder die Niere (Trinken, Nieren- und Blasentee) die Haut entlasten. Eine mikrobiologische Therapie trägt zur raschen Regeneration der Schleimhaut bei.

Grundregeln für richtiges Essen

„Gut gekaut ist halb verdaut!“

Warten Sie mit Essen auf das sich einstellende Hungergefühl. Lassen Sie sich nicht zum Essen verleiten. Hören Sie auf Ihr eigenes Bedürfnis! Richten Sie sich einige Bissen, einige Stücke Käse, ein kleines Stück Fleisch, etwas Gemüse, eine Kartoffel, Brot auf einem kleinen Teller her. Nehmen Sie sich Zeit und Ruhe. Setzen Sie sich entspannt in bequemer Körperhaltung an den Tisch. Essen Sie nicht im Stehen! Genießen Sie den Anblick der Speisen. Nehmen Sie den Geruch wahr und den aufkommenden Speichelfluss. Nehmen Sie einen kleinen Bissen der Speisen in den Mund und legen Sie das Besteck wieder ab. Lehnen Sie sich zurück und entspannen Sie sich und lassen Sie sich nicht durch Lesen, Fernseher oder Gespräche ablenken.

Kauen Sie einmal, zweimal – dreißig Mal. Konzentrieren Sie sich zunächst auf das mechanische Zerkleinern der Speisen, dann auf den fließenden Speichel. Feste Nahrung bleibt im vorderen Mundraum, nur die schon flüssigen Anteile rutschen nach hinten und können geschluckt werden. Schmecken Sie! Kosten Sie! Nehmen Sie alle Geschmacksnuancen wahr. Speisen, die einen unangenehmen Geschmack entwickeln, schlucken Sie nicht. Kauen und schmecken Sie auch alle Getränke und flüssige oder breiige Nahrung!

Kleine Portionen essen

Ein Sprichwort besagt: „Der Mensch lebt nur von der Hälfte dessen, was er isst, von der anderen Hälfte leben die Ärzte“ (Ägypten, 2000 v.Chr.). Das gilt für die Gesamtnahrungsmenge, aber ebenso für die einzelnen Mahlzeiten. In meiner Praxis hat es sich besonders bewährt, die Nahrungsmenge auf 5–6 kleinere Mahlzeiten zu verteilen. So werden die kleineren Nahrungsmengen von den Enzymen leichter aufgeschlüsselt und besser resorbiert:

  • Essenszeiten etwa alle drei Stunden von 7:00 bis 18:00 Uhr.
  • Langsam und achtsam essen.
  • Nehmen Sie den aufkommenden angenehmen Sättigungsreflex wahr.

Eine besondere Bedeutung kommt der Entlastung am Abend zu. Die Verdauungsleistung ist schwächer, die Nahrung bleibt im Darm, gärt und fault, die Leber ist überlastet und am Morgen fehlt der Appetit.

  • Abends „wie ein Bettelmann“ – sagt eine altes Sprichwort!
  • Keine „Eiweißmahlzeiten“, wie Steak oder große Fischportionen!
  • eine kleine Brotzeit, ein kleines Omelette, eine Gemüsesuppe
  • oder sogar das „Dinnercancelling“: nur eine milde Gemüsebrühe
  • Sehr schlanke Patienten allerdings brauchen einen kleinen Imbiss zur Nacht, das „Betthupferl“.

Wenn die Lust am Kauen und Einspeicheln abnimmt, haben Sie genug: Hören Sie auf! Legen Sie nicht zu viel auf Ihren Teller. Je knapper die Nahrungsmenge der Einzelmahlzeiten gehalten wird, umso leichter können die Verdauungsorgane ihre Aufgabe bewältigen. Und umso geringer ist die Belastung des inneren Stoffwechsels. Je gesünder aber die Verdauungs- und Stoffwechselorgane werden, umso sparsamer vermögen sie mit den angebotenen Nahrungsmengen hauszuhalten.

Stellen Sie die Mahlzeiten aus 2 oder 3 Komponenten zusammen: Ein Eiweißträger wie Ei, Milchprodukte, Fisch oder Fleisch mit einer, vielleicht 2 Beilagen, Kartoffeln, weiches Gemüse, Obst, Reis oder auch Brot. Fette wie Butter, Sahne oder Öle machen die Nahrung schmackhafter und sättigender. Die Mahlzeiten bleiben knapp, an jeder Zusammenstellung ist das Sättigungsgefühl zu testen.

Leicht verdauliche Lebensmittel, leicht verdaulich zubereitet

Faserhaltige Nahrungsmittel wie Rohkost, Vollkorn oder Müsli müssen gemieden werden. Unser Verdauungssystem bildet keine Enzyme (Zellulasen), um diese Zellhüllen aufzubrechen. Die Zellulosehülle behindert aber das Eindringen der Verdauungssäfte in die Pflanzenzelle, die in der Zelle eingelagerten Nahrungsstoffe können nur sehr langsam herausgelöst werden.

Essen Sie stattdessen Suppe, ein Ei, ein Stück Käse, eine Kartoffel mit Butter, zartes Fleisch, helles Brot, eine Quarkspeise mit Sahne, weich gekochten, klebrigen Reis, eine halbe reife Banane, etwas frisch gepresster Möhrensaft, weich gekochtes Gemüse, einige Tropfen Zitrone auf dem Fisch oder trinken Sie wenige Schlucke Saft, ausgeschmeckt und ausgekostet. Das Ziel ist eine hochwertige, aber leicht verdauliche Mischkost: abwechslungsreich, schmackhaft und bekömmlich.

Maßhalten mit säurehaltigen Nahrungsmitteln

Bei Hauterkrankungen ist es notwendig, die Zufuhr säurehaltiger Nahrungsmittel für längere Zeit stark einzuschränken. Nahrungssäuren, insbesondere Obstsäuren, führen zu einem Reizzustand der Magen-Darm-Schleimhaut. Eine hohe Zufuhr von Nahrungssäuren lässt entzündliche Prozesse, Haut- oder Schleimhautentzündungen, allergische Entzündungen, nicht zur Ruhe kommen.

Die Säuren (Natrium und Kaliumzitrate) verbinden sich mit Kalzium zu biologisch-inaktiven Salzen (Kalziumzitrat). Das Membranpotential der Schleimhautzellen und die Resorptionsprozesse werden eingeschränkt. Der Darmschleimhaut biologisch-aktives Kalzium entzogen, es entsteht ein versteckter Kalziummangel. Dieser ist für viele vegetativ-nervöse Störungen mitverantwortlich zu machen. Die Kalziumsalze werden schließlich als Schlacken in stoffwechselträgen Organsystemen abgelagert. Sie führen zur Übersäuerung des Haut- und Bindegewebes.

Durch einen hohen Säuregehalt zeichnen sich aus: alles Obst – insbesondere Apfelsinen, Zitronen, Grapefruits, Beeren, alle Obstsäfte und Weine – Tomaten, Spinat, Salate, Gemüse und Gemüsesäfte. Nur kleine Mengen milden Gemüses sind erlaubt und zwar vollständig durchgekocht: Wurzelgemüse, Gurkengemüse. Etwas selbst gepresster Möhrensaft ist empfohlen. Bei Obst nur die mildesten und reifsten Früchte auswählen: z.B. süße, mürbe Äpfel, Mango, Papaya, Banane. Alles mehr als Zutat, nicht als Hauptgericht.

Eiweißarme Ernährung: So viel wie nötig, so wenig wie möglich!

Große Eiweißmengen unterhalten Entzündungsprozesse, doch muss das Angebot gerade an essenziellen Aminosäuren ausreichend sein. Daher ist die Empfehlung: Kleine Mengen unterschiedlicher Quellen in leicht verdaulicher Form über den Tag verteilt essen – das komplettiert das Angebot der essenziellen Aminosäuren und senkt den Gesamtbedarf. 

Insgesamt reichen 0,5–0,6 g Eiweißzufuhr pro kg Körpergewicht aus. Voraussetzung: Die Mikroflora des Darms ist in Ordnung und die Nahrungseiweiße gehen nicht durch eine vermehrte proteolytische Fäulnisflora verloren.

Immunentlastung

Hauterkrankungen insbesondere Ekzeme und Neurodermitis zeigen eine gehäufte Assoziation zu immunologischen Reaktionen auf Milcheiweiß. Hier spielen neben dem artenübergreifenden Kasein auch die spezifischen Lactoglobuline der Kuhmilch eine große Rolle. Der Nachweis von Immunglobulinen (IgG4) auf Milch- bzw. Weizeneiweiße könnte die Diagnose erhärten. Die Karenz dieser immunwirksamen Proteine durch eine Kuhmilch-freie Ernährung führen sehr häufig zu einer deutlichen Besserung der klinischen Symptome.

Bei den rheumatischen Hauterkrankungen wie der Dermatomyositis und der Psoriasis findet man auch häufig Immunreaktionen gegen Gluten und Gliadine, auch hier schafft die Karenz eine Entlastung. Vitamin D nimmt eine zentrale Rolle in der Immunregulation ein: Es unterdrückt überschießende Zytokinreaktionen (wie Th1, Interleukine). Viele Patienten weisen einen eklatanten Vitamin-D-Mangel auf. Dann ist eine hochdosierte Substitution indiziert.

Ein Fall aus der Praxis

Ein 42-jähriger Patient mit rezidivierendem Ekzem berichtet von einem seit mehreren Jahren bestehendem trockenen, juckenden Ekzem an der Stirn, auf den Wangen und an den Handinnenflächen. Keine Allergien nachweisbar. Die vom Hautarzt verordneten Kortisonsalbenbehandlungen bringen nur vorübergehend Besserung. Im Übrigen gibt der Patient an, Blähungen und immer mal wieder weiche, breiige Stuhlgänge zu haben.

Ernährungsanamnese
  • Morgens: Milchkaffee, Müsli aus Haferflocken, viel gemischtes Obst, Milch und Joghurt
  • Mittags: Salat, Gemüse, Kartoffeln, Vollkornreis oder Vollkornnudeln, 1- bis 2-mal wöchentlich Fleisch oder Fisch
  • Abends: Nudeln, Pizza, auch mal Salat und Brotzeit. Der Patient bevorzugt ausgemahlene Misch- oder Vollkornbrote.
  • Frage nach der Esskultur: „Ich bin ein Schnell-Esser und Schlinger.“
Körperliche Untersuchung

Schlanker Patient, Magen ohne Befund, Dünndarm stark verspannt und druckschmerzhaft, Mesenterialwurzel verdickt, mit Abwehrspannung tastbar, Gase deutlich auskultierbar.

Stuhluntersuchung

Erhöhte Entzündungswerte: α-1-Antitrypsin und Zonulin. Darmdysbiose mit einer Vermehrung von aeroben Fäulniskeimen und einer Verminderung der Immunflora Escherichia Coli und der Lactobazillen und Bifidobakterien.

Therapie

Die Behandlung erfolgte entlang den Richtlinien und unter Berücksichtigung individueller Aspekte:

Esstraining

Das Vordringlichste war das Neu-Erlernen des langsamen Essens. Der Patient nahm an einer Kau-Schulung mit anderen Patienten teil und lernte hierbei eine neue Ess- und Schlucktechnik. Er begann den Geschmack der Nahrung neu wahrzunehmen: „Das fällt mir sehr schwer. Das ist ein völlig neues Gefühl. Ich kann gar nicht mehr so viel in mich hineinschlingen!“

Die Mahlzeiten wurden kleiner, der Bauch flacher, die Entzündungsreaktionen flauten ab.

Ernährungsumstellung

Es wurde eine Kuhmilcheiweiß-Karenz und eine Reduktion von Obstsäuren auf ein mildes Obst pro Tag durchgeführt.

Das Ergebnis:

  • Nach 4 Wochen war das Ekzem verschwunden.
  • Nach 4 Monaten konnte der Patient wieder kleine Mengen Käse oder Joghurt essen und einen Milchkaffee trinken.
  • Sein Fazit: „Mein Leben hat sich völlig verändert – ich gehe sehr viel aufmerksamer mit mir um.“

Dr. med. Monika Pirlet Gottwald
Ärztin − Naturheilkunde
Ernährungsmedizinerin
Waisenhausstr. 52a
80637 München
www.pirlet-gottwald.de

Dass der Darm und das Darmmikrobiom nicht nur das Wohlbefinden beeinflussen, sondern auch zahlreiche Beschwerden und Erkrankungen, belegen immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen. Lesen Sie in unserem Themenschwerpunkt, welche bewährten Optionen die Komplementärmedizin bietet: