Georg Thieme Verlag KG
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AromatherapieBetörende Düfte für Ihr Liebesleben

Ylang-Ylang, Blüten
peht/stock.adobe.com

Ylang Ylang (Cananga odorata).

von Anusati Thumm

Inhalt

Die Welt der Naturdüfte

Duftendes Liebesleben

Eine Auswahl betörender Düfte

Rezepturen

Das Wissen um die sinnliche und erotische Wirkung von Düften war bereits den Kulturen im Altertum bekannt. Entsprechend viel Wert legte man auf duftende Öle, Salben, Bäder und Räucherungen. So sagt beispielsweise ein altes persisches Sprichwort, dass Pflanzendüfte wie Musik für unsere Sinne sind.

In Griechenland und Rom repräsentieren die weiblichen Gottheiten – Aphrodite und Venus – Liebe, Sinnlichkeit und Eros, also die Leidenschaft. Sie badeten in duftendem Wasser mit Eselsmilch, verwendeten Parfums und Kosmetik und verführten mit erotischen Massagen. In der alten ägyptischen Heiltradition war ein wichtiger Zweig das Mischen von aphrodisierenden Liebesmitteln mit zum Beispiel Basilikum, Kardamom, Rose, Zimt und vielen anderen Gewürzen und Pflanzen zur Luststeigerung.

Indien verdanken wir das berühmteste Lehrbuch der Erotik, das „Kamasutra“. Speziell Sandelholz und Jasmin wanderten dort vom Tempel auch ins Schlafgemach und wurden beim Liebesspiel und Geschlechtsakt verwendet.

Vieles aus den alten Kulturen lädt bis heute zum Nachahmen ein: das romantische Bad zu zweit, Partnermassagen mit duftenden Ölen, aphrodisierende Speisen und Getränke und die sinnliche Raumbeduftung.

Die Welt der Naturdüfte

In naturreinen ätherischen Ölen finden sich die gebündelten Lebenskräfte der Pflanze in Form von wirksamen Inhaltsstoffen. Sie stehen uns als kraftvolle und vielseitige Begleiter für Gesundheit und Wohlbefinden zur Verfügung.

Ätherische Öle wurden im deutschsprachigen Raum seit Mitte der 1980er-Jahre vermehrt wiederentdeckt und im privaten Bereich häufig vor allem in der Duftlampe eingesetzt. Gleichzeitig verbreitet sich seit 20 Jahren die Anwendung ätherischer Öle – oft in Kombination mit hochwertigen Pflegeölen – zunehmend in der professionellen stationären und häuslichen Pflege. Die Pflegenden arbeiten über Waschungen, Wickelanwendungen und Einreibungen mit ätherischen Ölen. Aus vielen Einrichtungen ist die sogenannte Aromapflege nicht mehr wegzudenken.

Die Aromatherapie hingegen beschreibt die medizinisch-therapeutische Anwendung ätherischer Öle, die nur Heilpraktiker, Ärzte, Apotheker oder Hebammen ausführen dürfen. Die Verantwortlichkeiten sind vom Gesetzgeber klar definiert.

Qualitativ hochwertige ätherische Öle sind naturrein und aus biologischem Anbau. Auf ihrem Etikett sind Ursprungsland, der botanische Pflanzenname, das Gewinnungsverfahren und die Qualität anhand von Qualitätssiegeln und einer Chargennummer vermerkt.

In unserer schnelllebigen Zeit wird nicht nur unsere körperliche Gesundheit, sondern auch das innere Gleichgewicht oft herausgefordert. Für viele Menschen sind ätherische Öle, die nachweislich Stresshormone abbauen helfen und das Immunsystem stärken können, mittlerweile wichtige Begleiter im Alltag.

Dass bestimmte ätherische Öle auch libidosteigernde und aphrodisierende Eigenschaften aufweisen, ist vielen Menschen hingegen noch nicht bekannt. Die Tipps und Rezepte in diesem Beitrag sollen Sie inspirieren, Ihr Liebesleben mit Duftmischungen zu begleiten und romantische Momente in Ihren Alltag zu zaubern.

Duftendes Liebesleben

Inzwischen ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Geruchssinn maßgeblich an der Partnerwahl beteiligt ist und uns zuverlässig zu einem Partner führen kann, der genetisch mit uns kompatibel ist. Gleichzeitig hat der Duft dieses Menschen eine aphrodisierende Wirkung auf uns. Auf der anderen Seite können uns Düfte in Zeiten von Liebeskummer und Konflikten Trost spenden und unser Herz für Neues öffnen.

Berührung und Zärtlichkeit

Berührung ist überlebenswichtig und Nahrung für die Seele. Fehlende Berührung stellt einen der destruktivsten Stressfaktoren im Leben eines Menschen dar. Die heilsame Kraft der Berührung ist heute durch viele Studien belegt und wird in therapeutischen Settings gezielt eingesetzt. Liebevolle Berührung beruhigt das Nervensystem, reduziert Stress und stärkt das Immunsystem. Das gerne als Kuschelhormon bezeichnete Oxytocin und der Botenstoff Endorphin werden vermehrt ausgeschüttet und erzeugen beruhigende Gefühle wie Geborgenheit. Da sich Alltagsberührungen mit zunehmender Dauer einer Partnerschaft oft kontinuierlich verringern, kann man auch bei Paaren einen sogenannten Hauthunger registrieren. Es braucht demnach gezielte Berührungsrituale im Alltag, um körperlich und geistig gesund zu bleiben.

Die Ebene der erotischen Sinnlichkeit spielt neben nichtsexuellen Körperkontakten ebenfalls eine große Rolle für unser ganzheitliches Wohlbefinden. Authentische erotische Beziehungen bringen uns in Kontakt mit unserer Lebenskraft, erzeugen eine innige Bindung Bindung zu unserem Partner und sind eine Quelle tiefer spiritueller Erfahrungen. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit kann diese vertraute Zweisamkeit und bewusste körperliche Intimität zur ganzheitlichen Gesunderhaltung beitragen.

Anhaltender Stress hingegen führt zu Libidoverlust und schwächt unser Immunsystem. Gewisse ätherische Öle regen die Libido an und wirken stimmungshebend. Sie können unterstützend eingesetzt werden, um unser Liebesleben zu bereichern. Eine erfüllte Sexualität macht nicht nur glücklich, sondern unterstützt wiederum nachweislich unser Immunsystem.

Eine Auswahl betörender Düfte

Die Natur stellt uns zahlreiche ätherische Öle zur Verfügung, um unser Liebesleben zu beflügeln.

Rosenöl

Die Rose ist das Symbol und der Duft der Liebe. Ihr blumiger, weicher Duft fungiert als Herzöffner und hat leicht aphrodisierende Eigenschaften. Das wertvolle Rosenöl der Rosa damascena (ca. 5000 kg Blüten ergeben einen Liter ätherisches Öl) pflegt und erfrischt gleichzeitig die Haut und hat hormonell ausgleichende Eigenschaften. Rosenöl passt sehr gut in Mischungen mit anderen erotisierenden Düften wie Sandelholz, Patchouli, Vetiver und Vanille.

Sandelholzöl

Das echte Sandelholzöl (Santalum album) mit seiner samtig-warmen Duftnote ist eine kostbare Rarität aus Indien, die als natürliches Aphrodisiakum gilt und seit Jahrtausenden für sinnliche Massageöle verwendet wird. Sandelholzöl gilt im Ayurveda zudem als Heilmittel bei Hauterkrankungen und wirkt sehr stark stressreduzierend und beruhigend.

Jasminextrakt

Der stark blumige und schwere Jasminduft (Jasminum grandiflorum) wird in Indien auch „Königin der Nacht“ genannt und setzt eine erotische Duftnote in jede Mischung. Das Öl hilft bei emotionalen Schwierigkeiten und unterstützt uns dabei, unsere Sinne zu öffnen und uns hinzugeben.

Ylang-Ylang-Öl

Ylang-Ylang-Duft (Cananga odorata) gilt als besonders weiblich und ist in den Tropen als Aphrodisiakum bekannt. In Indonesien streut man daher Ylang-Ylang-Blüten über das Bett eines Brautpaares. Ylang-Ylang-Öl hat stark entkrampfende und blutdrucksenkende Eigenschaften und tut häufig gestressten und beruflich stark beanspruchten Männern sehr gut.

Patchouliöl

Rauchig, holzig und unverkennbar duftet das Patchouliöl (botanischer Name der Pflanze: Pogostemon cablin). Dieses Öl erdet und verbindet uns mit unserer Sinnlichkeit und unserer Fantasie. Man sollte es sehr sparsam verwenden und kann es gut mit Ylang Ylang oder Jasmin kombinieren.

Vetiveröl

Das dickflüssige Öl aus Vetivergras (Vetiveria zizanoides) stammt aus Indien und wird aus den Wurzeln dieser Graspflanze gewonnen. Es hat einen erdig-modrigen Duftcharakter und erinnert an Waldboden und dunkle Nacht. Ein Duft, der uns im Wortsinn erdet und in unserer eigenen Tiefe verwurzelt. Er löst Spannungen und Ängste und wirkt stark erotisierend.

Muskatellersalbeiöl

Hildegard von Bingen beschrieb, dass Muskatellersalbei (Salvia sclarea) zu ehelichen Werken bewege – die erotisierende Wirkung ist also schon länger bekannt und erprobt. Dieser Duft hat stark euphorisierende und erheiternde Eigenschaften und lässt uns alles leichter nehmen. Er macht aber auch kreativ und mutig.

Rezepturen

Ob eine sinnliche Massage, ein betörender Badezusatz oder Duftspray für die Bettlaken – ätherische Öle können für unterschiedliche Anwendungen kombiniert werden.

Sinnliche Massageöle

Anwendung: Die ätherischen Öle im Mandelöl schwenken und den Partner damit einreiben und verwöhnen.

Aphrodite

  • 50 ml Mandelöl
  • 2 Tr. Sandelholz
  • 1 Tr. Ylang Ylang
  • 3 Tr. Orange

Candlelight

  • 50 ml Mandelöl
  • 1–2 Tr. Vetiver
  • 1–2 Tr. Ylang Ylang
  • 5 Tr. Blutorange oder Orange
Raum- und Bettdüfte

Anwendung: Die ätherischen Öle in die Duftlampe, einen Vernebler oder einen Thermoduftstein träufeln. Beim Duftspray fürs Bett Kopfkissen, Laken oder Pyjama mit dem Duftspray besprühen.

Duft für eine anregende Nacht

  • 5 Tr. Sandelholz
  • 1 Tr. Jasmin
  • 3 Tr. Limette

Duftspray fürs Bett

  • 100 ml Rosenwasser
  • 3 Tr. Sandelholz
  • 3 Tr. Rose
  • 10 Tr. Grapefruit
Die Wonne in der Wanne

Anwendung: Die ätherischen Öle in der Milch oder dem Salz vermengen und im heißen Wasser verteilen.

Aphrodisierende Badesahne

  • 50 ml Sahne oder Kokosmilch
  • 2 Tr. Ylang Ylang
  • 2 Tr. Muskatellersalbei
  • 6 Tr. Bergamotte

Bad für zwei, die noch etwas miteinander vorhaben

  • 50 ml Sahne oder 50 g Meersalz
  • 3 Tr. Sandelholz
  • 2 Tr. Ylang Ylang
  • 1 Tr. Jasmin
  • 1 Tr. Patchouli
  • 3 Tr. Orange

Bringen Sie Ihr Liebesleben mit ätherischen Ölen in duftenden Schwung – sei es mit herzöffnenden Düften für romantische Stunden oder mit anregenden Massageölen für sinnliche Begegnungen.

Anusati Thumm, bekannt für ihr umfassendes Wissen zu ätherischen Ölen und Aromatherapie, unterrichtet seit über 30 Jahren im In- und Ausland Aromapflege und Aromatherapie an verschiedenen Heilpflanzenschulen und leitet die Fachausbildung zur/m AromaexpertIn in der Primavera Akademie im Allgäu. Anusati Thumm begleitet außerdem seit vielen Jahren Duftreisegruppen in verschiedene Anbauprojekte weltweit und organisiert Aromatherapiekongresse. 2018 veröffentlichte sie zusammen mit M. Kettenring das Buch „Waldmedizin – Die heilende Kraft der ätherischen Baumöle“ (Joy Verlag).

Keller V, Leube A, Merbele J. So duftet Glück. München: Knaur; 2019

Dass der Darm und das Darmmikrobiom nicht nur das Wohlbefinden beeinflussen, sondern auch zahlreiche Beschwerden und Erkrankungen, belegen immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen. Lesen Sie in unserem Themenschwerpunkt, welche bewährten Optionen die Komplementärmedizin bietet: