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RückenschmerzTCM-Therapieansätze bei Rückenschmerzen

weibliches Akupunkturmodell mit Nadeln im Schulterbereich vor Lehrtafel
Björn Wylezich/stock.adobe.com

In der Traditionellen Chinesischen Medizin sind Rückenschmerzen Ausdruck verschiedener Dysharmoniemuster.

von Gabriela Huemer

Nierendysharmoniemuster vom Typ Nieren-Yang-Leere

Beschwerden

Die Beschwerden sind eher von mäßiger Intensität, konstant und dumpf; Erschöpfung, Verfrorenheit; kalte Lumbalregion, kalte Füße, erhöhte Miktionsfrequenz, hohes Schlafbedürfnis, Blässe, blasse Zunge, schwacher Puls.

Zu Besserung führen Wärme, lokaler Druck und Ruhe. Körperliche Anstrengung, Kälte, langes Stehen sowie seelische Themen wie Angst, Furcht, fehlender familiärer Rückhalt, Existenzängste oder berufliche Unsicherheit verschlechtern den Zustand.

Therapiestrategie:

Die Niere stärken und wärmen. Akupunktur lokaler Punkte wie Bl 23–26, Bl 52–54, LG 3; bevorzugt mit Moxibustion. Fernpunkte: Dü 3, Bl 60 oder 40. Konstitutionspunkte: Ni 3 oder 7.

Merke

Patient in Schwächesituation nicht durch zu viele Nadeln überstimulieren.

Begleitende Therapieempfehlungen:

Warme Speisen und Getränke, Suppen, Fleischbrühe (traditionell lange gekocht), wärmende Gewürze (Zimt, Ingwer, Curry, Piment), Ruhe, Wärme.

Leberdysharmoniemuster vom Leber-Qi-Stagnationstyp mit Blutmangelzeichen

Beschwerden:

Patienten häufig jünger, wirken dynamisch aktiv. Muskeln oft strangförmig verhärtet, Tendenz zu rigiden Muskeln; Beschwerden können Ort und Intensität wechseln. Schmerz oft sehr stark, Muskelkrämpfe möglich. Zu vegetativen Zeichen gehören Durchschlafstörungen (1–3 Uhr), wechselnde Stühle, manchmal auch kalte Zehen, die sich bei Bewegung rasch aufwärmen. Puls ist gespannt, je stärker der Blutleere Anteil, desto dünner ist der Gefäßdurchschnitt (dünner Puls).  Zunge zeigt blasse Ränder (Ausdruck der Blutleere), scharfkantige Zahneindrücke ohne Zungenkörperschwellung (Ausdruck der Leber Qi Stagnation).

Bewegung bessert die Beschwerden; langes Stehen, Sitzen sowie seelische Belastungen wie langanhaltender Stress, Zeitdruck, Streit, unterdrückte Wut, Opfergefühl, berufliche oder private Überlastung (Überstunden, berufstätige Mütter mit familiärer Überlastung) verschlechtern sie.

Therapiestrategie:

Stagniertes Leber-Qi zerstreuen und Blut stärken. Lokale Punkte wie oben, Patient verträgt meist mehr Nadeln und stärkere Reize. Zum Einsatz kommen Lokalpunkte sowie Fernpunkte nach dem Achsenkonzept: Dü 3, Bl 60 oder Gb 41 (je nach Schmerzausstrahlung). Konstitutionspunkte: Le 3, Gb 34, LG 20, Di 4, Le 8 und Le 3 und psychotrope Ohrpunkte.

Begleitende Therapieempfehlungen:

Atemtherapie, Entspannung, rhythmische Bewegungen (Walken, Tanzen, Crosstrainer, Joggen), Vermeiden von monotonem Gerätetraining und isometrischen Übungen. Dehnung, Fasziendehnen bringt Erleichterung.  Ernährung: würzig, viel Gemüse.

Gabriela Huemer
Ärztin, Akupunktur, TCM, Homöopathie,
Vorstandsmitglied DÄGfA ( 2014 bis 2022)
 

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