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PsychologieUkraine-Krieg: Umgang mit belastenden Gefühlen

Die Ereignisse in der Ukraine lösen auch in Deutschland bei vielen Menschen Angst und Hilflosigkeit aus. Was ein Experte zum Umgang mit belastenden Gefühlen rät.

Junge Frau sitzt gekrümmt an einem Steg und vergräbt ihr Gesicht hinter ihren Händen.
Black Brush/stock.adobe.com; posed by a model

Die Ereignisse in der Ukraine lösen bei vielen Menschen Angst und Hilflosigkeit aus - auch in Deutschland.

Die Ereignisse in der Ukraine lösen auch in Deutschland bei vielen Menschen Angst und Hilflosigkeit aus. Professor Gündel von der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) erklärt, wie man mit den belastenden Gefühlen am besten umgehen kann.

„Eine solche existenzielle Bedrohung durch Gewalt und Krieg in Europa kennt unsere Generation nicht, auch wenn sie zum Menschsein wohl dazugehört“ sagt Gündel. „Dieses Ereignis bedeutet für uns alle, dass wir Besorgnis oder auch Ängste entwickeln. Wir fühlen uns ausgeliefert gegenüber Abläufen und Entscheidungen, die wir nicht selbst beeinflussen können.“

Wie aber geht man mit diesen bedrückenden Emotionen am besten um? „Bloß nicht das eigene Leben anhalten und in der Angst verharren“, rät Prof. Gündel. „Es ist sicher oft besser, sich auf das zu konzentrieren, was man in seinem unmittelbaren Umfeld gestalten kann, und so viel Normalität wie möglich im Alltag zu bewahren.“

Resilienz und Selbstfürsorge

Dabei hilft uns Resilienz – die menschliche Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. „Wie wir inzwischen aus der Forschung wissen, existiert kein spezielles Resilienz-Gen“, erläutert Gündel. „Jede und jeder arbeitet täglich an dieser psychischen Widerstandskraft. Man trainiert sie, indem wir so viel wie möglich etwas tun, uns mit etwas beschäftigen, was uns in unserem eigenen Erleben Sinn und Kraft gibt.“

Außerdem gehört zur Selbstfürsorge der richtig dosierte Umgang mit Nachrichten aus dem Kriegsgebiet. „Wir sollten uns fragen: Wieviel Informationen tun mir gut?“, betont Gündel. Vielen Menschen genüge es, sich morgens und abends einmal zu informieren. Klar ist: „Innere Unruhe, Schlafstörungen und die Unfähigkeit, sich auf den Alltag konzentrieren zu können, können Zeichen eines beginnenden seelischen Ungleichgewichts sein – und vielen Menschen hilft es in diesem Zusammenhang, weniger potenziell beunruhigende Nachrichten zu konsumieren“, sagt Gündel.

Austausch

Besonders hilfreich bei der Bewältigung von Ängsten ist der zwischenmenschliche Austausch. „Ängste zu benennen, darüber mit anderen, nahestehenden Menschen zu sprechen, stellt einen wichtigen ersten Schritt dar“, erläutert Prof. Gündel. Vereinzelung hingegen verstärke negative Gefühle noch. Nehmen Angstzustände überhand, sollten Betroffene sich professionelle Hilfe suchen.

Akzeptanz

Ein zentraler Begriff aus der Psychotherapie bringt Entlastung: Akzeptanz. Herr Gündel erklärt: „Wenn ich weiß, dass ich gegen eine Situation nicht direkt vorgehen kann, sie gar nicht oder nur begrenzt beeinflussen kann, hilft es, sie auch innerlich anzunehmen. Und natürlich kann dann eine optimistische oder spirituelle Haltung Zuversicht geben – das wissen wir aus unserer langen Geschichte.“

Quelle: Pressemitteilung/Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie