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Krankenhaus-ReportStarker Rückgang der Fallzahlen auch im zweiten Pandemiejahr

Auch 2021 sind die Fallzahlen in vergleichbarem Ausmaß zurückgegangen wie 2020: Der aktuelle Krankenhaus-Report beziffert den Rückgang mit 14 Prozent weniger Krankenhauseinweisungen im Vergleich zu 2019.

Operateurin zieht sich Handschuhe an
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Die Anzahl der planbaren Operationen ist auch im 2. Pandemiejahr gesunken.

Im vergangenen Jahr sind die Fallzahlen in den deutschen Krankenhäusern in vergleichbarem Ausmaß zurückgegangen wie im ersten Pandemiejahr 2020. Das zeigt eine aktuelle Auswertung zum Erscheinen des diesjährigen Krankenhaus-Reports des WIdO auf Basis der Abrechnungsdaten der stationär behandelten AOK-Versicherten. Danach war 2021 bei den somatischen Fällen ein Rückgang von 14 Prozent gegenüber 2019 festzustellen, nachdem er 2020 bei 13 Prozent gelegen hatte.

Weniger Fälle und höhere Sterblichkeit bei Herzinfarkten und Schlaganfällen

Nach wie vor Anlass zur Sorge geben nach Einschätzung von Expert*innen die Entwicklungen im Bereich der Notfallversorgung: Beim Herzinfarkt waren 2021 insgesamt 9 Prozent weniger Krankenhausbehandlungen festzustellen als 2019 – der Rückgang war damit noch ausgeprägter als 2020 (minus 7 Prozent). Die Zahl der Schlaganfall-Behandlungen lag 2021 um 7 Prozent niedriger als im Vergleichsjahr 2019 (2020: minus 5 Prozent). Eine Detailanalyse für den Krankenhaus-Report zeigt, dass in den Kliniken eher schwerere Fälle angekommen sind. Bei diesen schweren Fällen ist zugleich eine höhere 30-Tage-Sterblichkeit im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie festzustellen.

Im Raum steht die Hypothese, dass Patient*innen mit milderen Symptomen vielfach nicht oder nur verzögert den Rettungsdienst alarmiert haben.

Der Rückgang bei den Brustkrebs-Operationen hat sich 2021 mit minus 1 Prozent deutlich abgeschwächt (2020: minus 5 Prozent), während bei den Darmkrebs-Operationen der Rückgang mit minus 13 Prozent gegenüber 2019 sogar noch stärker ausgeprägt war als im ersten Pandemiejahr (2020: minus 10 Prozent). Außerdem wurden in den Krankenhäusern pandemiebedingt weniger Darmspiegelungen durchgeführt (minus 15 Prozent im Jahr 2020, minus 18 Prozent im ersten Halbjahr 2021). Hier steht die Befürchtung im Raum, dass fehlende Diagnostik und spätere Behandlung zu mehr schweren Krebserkrankungen und einer Erhöhung der Sterblichkeit führen.

Anhaltende Rückgänge bei planbaren OPs

Bei den planbaren Operationen wie der Implantation künstlicher Hüftgelenke (2021: minus 10 Prozent, 2020: minus 11 Prozent) oder der Entfernung der Gebärmutter bei gutartigen Neubildungen (2021: minus 16 Prozent, 2020: minus 14 Prozent) bewegen sich die Rückgänge 2021 gegenüber 2019 ungefähr auf dem gleichen Niveau wie im ersten Pandemiejahr. Auffällig ist auch der große Einbruch bei den Mandelentfernungen (2020: minus 33 Prozent, 2021: minus 49 Prozent).

Bei allen genannten Operationen handelt es sich um Eingriffe, die nicht immer indiziert sind. Beispielsweise werden Mandeloperationen teilweise ohne leitliniengerechte Indikationsstellung durchgeführt. Insofern gab es im Zuge der Pandemie offenbar auch einen Verzicht auf Überversorgung bei diesen Eingriffen. Der Verzicht auf stationäre Überversorgung gilt vor allem auch für die sogenannten „ambulant-sensitiven“ Krankenhausfälle, die nach Einschätzung von Fachleuten häufig auch ambulant versorgt werden könnten. Hier gab es 2020 und 2021 im Vergleich zu 2019 durchgängig starke Fallzahl-Rückgänge, die auch in den Sommermonaten zwischen den Pandemiewellen anhielten. Sie reichten 2021 von minus 13 Prozent bei Herzinsuffizienz-Behandlungen bis zu minus 34 Prozent bei der Behandlung der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Krankenhaus-Report 2022 zur Patientenversorgung in der Pandemie

Der Krankenhaus-Report, der jährlich als Buch und als Open-Access-Publikation im Springer-Verlag erscheint, greift 2022 als Schwerpunktthema die Patientenversorgung während der Pandemie auf. Neben Fragen zur Versorgung von Patient*innen mit und ohne Covid-19 sowie zur Finanzierung der Krankenhäuser in der Krise geht es um die in der Pandemie benötigten Prozesse zur Steuerung der Versorgung in den einzelnen Kliniken, auf regionaler Ebene und auf Bundesebene. Daneben bietet das Buch Grunddaten zur Situation der Kliniken und eine krankenhauspolitische Chronik.

Quelle: Pressemitteilung/WIdO