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GonarthroseKniearthrose: Therapieoptionen werden oft nicht ausgeschöpft

Jeder zehnte Kniegelenksersatz wäre vermeidbar, wenn fachärztliche und physiotherapeutische Möglichkeiten ausgeschöpft würden, zeigt der DAK-Versorgungsreport.

Frau mit Knieschmerz/Gelenkentzündung
ipopba/stock.adobe.com

Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Mobilitätseinbußen begleiten eine fortschreitende Gonarthrose.

Bei der Behandlung der Kniearthrose bestehen große Defizite. Das zeigt der aktuelle DAK-Versorgungsreport, für den 1,1 Mio Versorgungsdaten ausgewertet wurden.

Bei jedem fünften Betroffenen scheitert demnach der Gelenkerhalt, sodass ein künstliches Kniegelenk eingesetzt werden muss. Zu häufig findet eine Knieoperation statt, ohne dass zuvor alle fachärztlichen oder physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft wurden. Der Report kommt zu dem Schluss:

Jede zehnte Knieoperation könnte durch bessere präventive Versorgung vermieden und ein Knieersatz um durchschnittlich sieben Jahre verzögert werden.

Fast jeder vierte Bundesbürger ist mindestens einmal in seinem Leben von Kniearthrose betroffen. Jedes Jahr erkrankt rund ein Prozent der DAK-Versicherten neu an Gonarthrose. Das sind etwa 55.000 Personen. Insgesamt scheitert im Laufe der Erkrankung bei jedem Fünften der Gelenkerhalt, sodass ein künstliches Kniegelenk eingesetzt werden muss. Durch eine bessere Versorgung wäre es laut Report jedoch möglich, 7,1 bis 11,5 Prozent dieser Operationen zu vermeiden und das Kniegelenk zu erhalten. „Knieprobleme sind weit verbreitet. Wir müssen nicht nur Risikofaktoren durch Prävention verringern, sondern auch die Therapiemöglichkeiten besser ausschöpfen“, sagt Andreas Storm, Vorsitzender des Vorstands der DAK-Gesundheit. „Der Einsatz eines künstlichen Kniegelenks darf nur die letzte Option sein. Unser Report wirft die Frage auf, ob viele angesetzte Knie-Operationen überhaupt notwendig waren.“

Zweitmeinung, Röntgen und Physiotherapie

Laut DAK-Versorgungsreport haben 15 Prozent der Versicherten im Jahr vor einem Kniegelenksersatz keinen Behandlungskontakt zu niedergelassenen Fachärzten für Orthopädie oder Unfallchirurgie. Für sieben Prozent der Betroffenen trifft dies auf die letzten fünf Jahre vor der Knie-OP zu. Bei mehr als jedem Zehnten (13,5 Prozent) wurde in den letzten fünf Jahren vor der Krankenhausaufnahme keine Röntgenuntersuchung des Knies im Rahmen der ambulanten Behandlung durchgeführt. Die Studie zeigt, dass fast die Hälfte der Betroffenen (43,3 Prozent) in den fünf Jahren vor ihrem Knieersatz keine Physiotherapie verordnet bekamen.

Insgesamt weist das Versorgungsgeschehen im zeitlichen Vorfeld einer Knieprothese auf einen Mangel an konservativen, nicht-medikamentösen Therapieoptionen hin. Die Befunde zeigen Defizite bei der Steuerung von Betroffenen in die fachärztliche Behandlung bei niedergelassenen Orthopäden und Unfallchirurgien. Sie stehen im Gegensatz zu den Empfehlungen der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): Danach sollte vor chirurgischen Verfahren eine Zweitmeinung bevorzugt durch nichtoperative Orthopäd*innen eingeholt werden.

Unterschiede bei Geschlechtern und in Ländern

Frauen sind insgesamt häufiger von einer symptomatischen Gonarthrose betroffen als Männer. Auch regional zeigen sich Unterschiede: So leiden in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt eine überdurchschnittlich viele Menschen an symptomatischer Gonarthrose. Im Norden (Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen) sowie in Hessen ist sie besonders gering. Eine mögliche Ursache: die ebenfalls hohe Fallhäufigkeit von Adipositas in den neuen Bundesländern.

Adipositas größter Risikofaktor 

Unabhängig vom Geschlecht befindet sich in allen untersuchten Patientengruppen ein hoher Anteil derer, die wegen Adipositas in ärztlicher Behandlung sind. Besonders in jungen Jahren stellt Adipositas ein Risikofaktor für Gonarthrose und schweren Verlauf dar. Am deutlichsten zeigt sich dieser Zusammenhang in der Altersgruppe der 40- bis 60-Jährigen: Über 60 Prozent derjenigen, die ein künstliches Kniegelenk eingesetzt bekommen haben, litten auch an krankhaftem Übergewicht. „Adipositas ist größter Risikofaktor“, sagt Thorsten Tisch vom IGES-Institut. „Deshalb sollte die Behandlung von Übergewicht einen viel höheren Stellenwert in der Versorgung von Gonarthrose einnehmen. Auch in der Prävention wäre ein stärkerer Fokus auf Adipositas hilfreich.“

Quelle: DAK Gesundheit