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Klima und GesundheitKlimaschutz auf Rezept: Mehr treibhausgasfreie Inhalatoren verordnen

Ärztin verschreibt Asthma-Medikament, Inhalator
Goffkein/stock.adobe.com

Kleine Änderung mit großer Wirkung: Die Verschreibung einer klimaneutralen Medikation bei Asthma- und COPD-Patient*innen ist in vielen Fällen bei gleicher Behandlungsqualität möglich. Allein dadurch ließen sich 115-480 kg CO2-Äquivalent pro Jahr und Patient*in einsparen.

Asthma- und COPD-Patient*innen erhalten Medikamente häufig als Pulverinhalatoren oder Dosieraerosole verordnet. Oft ist eine klimaneutrale Verordnung möglich, bei gleichbleibender Behandlungsqualität.

Besonders Dosieraerosole (Sprays) enthalten klimaschädliche Treibhausgase, berichten zwei niedergelassene Pneumolog*innen in der Fachzeitschrift "Pneumologie". In ihrer Dresdner Gemeinschaftspraxis ließen sich durch die Umstellung auf die klimaneutrale Medikation jährlich zwischen 115 bis 480 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Patient*in einsparen.

CO₂-Äquivalente

Unter CO₂-Äquivalente (CO₂e) wird die Klimawirkung unterschiedlicher Treibhausgase zusammengefasst. Neben dem wichtigsten von Menschen verursachten Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) gibt es weitere Treibhausgase wie beispielsweise die in Dosieraerosolen eingesetzten Hydrofluoralkane (HFA).

Die noch häufig verwendeten treibgashaltigen Dosieraerosole (pMDI/pressurized Metered Dose Inhalers) verursachen einen 10- bis 40-fach höheren CO2-Fußabdruck als treibgasfreie Pulverinhalatoren (DPI/Dry Powder Inhalers). Die Pneumolog*innen Dr. Jakob Bickhardt und Dr. Uta Bader verschreiben in ihrer Praxis seit 2021 vermehrt klimafreundliche Inhalatoren. In einer Arbeit haben sie nun evaluiert, in welchem Umfang eine Umstellung von pMDI auf DPI möglich ist und haben haben das mögliche Einsparpotenzial an CO2e beziffert. Als Vergleich dienen ihre eigenen Praxisdaten des 1. Quartals 2021 im Vergleich zu 2020. Darüber hinaus stellen sie ihr eigenes Verordnungsverhalten dem der niedergelassenen Pneumologen in Sachsen und deutschlandweit gegenüber.

Klimafreundliche Inhalatoren belasten weder Umwelt noch Kassen

„Wir haben den Anteil der DPI-Verordnungen insgesamt von rund 49 auf fast 78 Prozent steigern können. Bei Patient*innen, die ausschließlich auf kortisonhaltige Inhalationspräparate angewiesen sind, war die Umstellungsrate von etwa 20 auf 74 Prozent besonders hoch“, fasst Bickhardt zusammen.

Hochgerechnet konnten in der Gemeinschaftspraxis im 1. Quartal 2021 gegenüber 2020 bei etwa 2600 Behandlungsfällen 35 bis 40 Tonnen CO2e eingespart werden. Die Kosten stiegen zwar an, lagen jedoch nicht höher als im Bundesdurchschnitt.

DPI-Verordnungen im Vergleich zu Sachsen und Gesamtdeutschland

Im 1. Quartal 2020 lagen die DPI-Verordnungen von Bickhardt und Bader noch unter dem sachsen- und bundesweiten Durchschnitt von 59,6 bzw. 57 Prozent. Ein Jahr später konnten sie diese Werte bereits übertreffen. So lagen die Verordnungen von DPI im 1. Quartal 2021 für Sachsen bei rund 60 und in Gesamtdeutschland bei etwa 56 Prozent.

Schädliche Treibhausgase durch bessere Verordnung vermeiden

Die Studie zeigt, dass ein Wechsel auf klimaneutrale Inhalatoren für viele Patient*innen bei gleichbleibend guter Behandlung möglich ist. Sie zeigt aber auch, dass es im Verordnungsverhalten innerhalb Sachsens und auch deutschlandweit von 2020 auf 2021 kaum Veränderungen gab. Dabei bietet die Umstellung großes Potenzial: „Wenn die ambulant tätigen Pneumologen bundesweit 75 Prozent DPI verordneten, wäre eine Einsparung von 11.650 Tonnen CO2e pro Quartal beziehungsweise 46.600 Tonnen CO2e pro Jahr möglich“, so Bickhardt abschließend.

Quelle: Pressemitteilung/FZMedNews

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