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MikrobiomErnährung, Mikrobiom und entzündliche Darmerkrankungen

Frau formt mit ihren Händen einen Kreis um den Bauch.
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Eine pflanzliche und fettarme Ernährung wirkt sich positiv auf die Mikroorganismen des Darms aus. Stark verarbeitete Lebensmittel und fettreiches Fleisch sollen u.a. vermieden werden.

(BZfE) - Immer mehr Studien weisen einen Zusammenhang zwischen der Ernährung, Veränderungen des Darmmikrobioms und entzündlichen Erkrankungen des Darms wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nach. Früher sprach man von der „Darmflora“, heute von der Darmmikrobiota. Sie bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Viren und Co.). Das Darmmikrobiom umfasst die Mikrobiota und zum Beispiel auch ihre Gene, Stoffwechselprodukte und Umweltbedingungen. Die beiden Begriffe werden oft synonym verwendet.

Die Mikrobiota, ihre Veränderung durch verschiedene Ernährungsweisen und Einflüsse auf das Entzündungsgeschehen im Körper waren Thema eines Seminars der Deutschen Gesellschaft für Mukosale Immunologie und Mikrobiom (DGMIM). Die Vorträge verdeutlichten, dass bei der Erforschung des Darmmikrobioms sehr viel in Bewegung und manches noch unklar ist.

Laura Bolte (University Medical Center Groningen, Niederlande) stellte eine Studie vor, die den Zusammenhang zwischen der Ernährung und dem Darmmikrobiom bei Patient*innen mit Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, dem Reizdarmsyndrom und unterschiedlichen Krebserkrankungen in den Fokus stellte. An 1.425 Personen wurden dabei 173 Ernährungsfaktoren und ihre Auswirkungen auf das Mikrobiom untersucht. Es kristallisierten sich dabei deutliche Zusammenhänge zwischen bestimmten Ernährungsmustern (z. B. mediterrane Ernährung, Fastfood) und Mikrobiom heraus.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine hohe Aufnahme von tierischen Lebensmitteln, verarbeiteten Lebensmitteln, Zucker und Alkohol geht mit einer „ungünstigen“ Darmmikrobiota einher, die Entzündungen fördert.
  • Pflanzenbasierte Lebensmittel gehen mit einem geringeren Anteil krankmachender Bakterien und deren Stoffwechselprodukten im Darm einher.

Wer seinen Darm vor entzündlichen Erkrankungen schützen möchte, sollte eine pflanzenbasierte Ernährung wählen, die reich an Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst und Nüssen ist und regelmäßig fettarme fermentierte Milchprodukte und Fisch essen. Eine mediterrane Ernährung würde dem beispielsweise entsprechen.

Pflanzliche und fermentierte Lebensmittel fördern eine größere Vielfalt an günstigen Mikroorganismen, die schützende kurzkettige Fettsäuren produzieren und für ihre entzündungshemmenden Wirkungen und den Schutz der Darmschleimhaut bekannt sind. Alkoholische Getränke, verarbeitetes fettreiches Fleisch, Fastfood und Softdrinks sollten dagegen vermieden werden.

Professor Christian Sina, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck, hob die positive Bedeutung fermentierter Lebensmittel für das Darmmikrobiom hervor – diese werden seiner Einschätzung nach in den nächsten Jahren vermutlich eine Renaissance erleben.

Zusatzstoffe in der Lebensmittelproduktion wie Emulgatoren oder auch nicht-kalorische Süßstoffe hingegen geraten zunehmend in den Verdacht, sich negativ auf das Darmmikrobiom auszuwirken. Emulgatoren, so eine Vermutung, verändern die Mukosa (= Schleimhaut) so, dass mehr Bakterien in die tiefen Schichten gelangen und dort Entzündungen auslösen können.

Die zu den Süßstoffen gehörenden Saccharin und Sucralose sind nach Humanstudien mit Dysbiosen, also einem Missverhältnis von nützlichen und schädlichen Bakterien im Darm assoziiert.

Insgesamt spielt das Mikrobiom eine große Rolle bei der Entstehung oder Verhinderung entzündlicher Darmerkrankungen und weiterer Erkrankungen, die man bisher nicht mit dem Darm in Verbindung gebracht hat (z. B. Lungen- und psychische Erkrankungen). Immer mehr Studien zeigen, dass ballaststoffreiche und fermentierte Lebensmittel helfen, Entzündungen vorzubeugen und einzudämmen. Hier gibt es individuelle Unterschiede, die noch weiter erforscht werden müssen. Das könnte für die Zukunft neue Ansätze für eine personalisierte Ernährungstherapie bringen.

Quelle: Ruth Rösch/www.bzfe.de