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SportmedizinFrauenanteil in Sport- und Bewegungsmedizin muss wachsen

Studie: In vielen Fachbereichen der Sport- und Bewegungsmedizin mangelt es an Frauen. Forscher*innen zeigen Maßnahmen auf, um diese Lücke zu schließen.

Pinke und blaue Spielfigur zwischen denen ein Holzwürfel, mit dem Ungleich-Zeichen, von einer Hand festgehalten wird.
Jo Panuwat D/stock.adobe.com

Prof. Daniel Belavy: „Die Ungleichverteilung ist schädlich und verhindert wissenschaftlichen Fortschritt“

Frauen sind weltweit unterrepräsentiert im Bereich der Sport- und Bewegungsmedizin. Zu diesem Ergebnis kam ein internationales Forschungsteam.

Demnach sind weniger als 20 Prozent der Mannschaftsärzt*innen professioneller Sportteams Frauen. In der Forschung sieht es ähnlich aus: Weniger als 25 Prozent der Erst- und Letztautor*innen wissenschaftlicher Veröffentlichungen und der Führungspositionen in Fachzeitschriften der Sportwissenschaft sind weiblich.

Mangel an Frauen ist weitläufig

„Komplett männlich besetzte Podiumsdiskussionen und ausschließlich männliche Keynote-Speaker sind in der Sport- und Bewegungsmedizin noch immer gang und gäbe“, sagt Prof. Daniel Belavy von der Hochschule für Gesundheit in Bochum, Mitautor der Studie. „Frauen erfahren in der Branche hingegen oftmals mangelnden Respekt. So wird beispielsweise das Urteilsvermögen von Sportmedizinerinnen häufiger in Frage gestellt als das ihrer männlichen Kollegen. Auch sexuelle Belästigung ist ein Problem.“

„Der Mangel an Frauen betrifft viele Fachbereiche in der Sport- und Bewegungsmedizin“, so Belavy. „Das fängt bei den Teilnehmenden an wissenschaftlichen Studien an, die auch meist eher männlich besetzt sind, und betrifft genauso Ärzt*innen in Krankenhäusern und Wissenschaftler*innen.“

Die Ungleichverteilung sei schädlich und verhindere wissenschaftlichen Fortschritt. So gibt es noch immer große Wissenslücken in wichtigen Forschungsbereichen wie der sportlichen Leistung von Frauen oder ihrer kardiovaskulären und muskuloskelettalen Gesundheit.

Um das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in Praxis und Forschung der Sport- und Bewegungsmedizin zu beseitigen, empfehlen die Autor*innen Maßnahmen für Berufsverbände und akademische Einrichtungen in diesem Fachgebiet. Dazu gehören:

  • Aufbau einer Kultur des Bewusstseins, der Exzellenz und der Inklusion durch Bildung, Schulung und offene Diskussionen, familienfreundliche Maßnahmen, Mentoring und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten
  • Förderung der Integration von Frauen in der Sportmedizin, unter anderem indem Führungskräfte Geschäftspraktiken verfolgen, die die Vielfalt verbessern, auch bei Einstellungen und Beförderungen.
  • Förderung der Einbeziehung und Beteiligung von Frauen an Forschung, Veröffentlichungen und Konferenzen durch Berücksichtigung der Vielfalt in allen Phasen der Forschung und Veröffentlichung, auch bei den Gutachter*innen, und durch stärkere Vertretung von Frauen und diversen Personen als Redner*innen und Teilnehmer*innen
  • Anerkennung der Tatsache, dass eine größere Vielfalt sowohl den Fachkräften im Gesundheitswesen als auch den Patient*innen zugutekommt, da dadurch unterschiedliche Qualitäten, Fähigkeiten und Erfahrungen hinzugewonnen werden.
  • Förderung des Einsatzes von Technologien zur Stärkung der Rolle der Frauen
  • Arbeit gleichmäßig verteilen
  • Einrichtung von anonymen Meldeplattformen für Mikroaggressionen, Mobbing, Belästigung, Diskriminierung sowie von Maßnahmen, um solche Verhaltensweisen zu verhindern.

Quelle: Hochschule für Gesundheit